Warnung vor Betrugsmasche mit gefälschten Schecks aus Kanada oder den USA (August 2016)

Im Sommer 2016 tauchten erneut angebliche Darlehenshingaben (Loan Agreement/Repayment Schedule) angeblicher Gläubiger aus den USA oder Kanada auf, wobei der angebliche Schuldner sich (gerade) in Deutschland aufhält. Die in den USA oder Kanada in englischer Sprache abgefassten Darlehensbeträge weisen die Absonderlichkeit auf, dass in ihnen die Anwendung deutschen Rechts vereinbart wird – die Eintreibung einer Darlehensschuld nach amerikanischem Recht würde deutsche Rechtsanwälte kaum veranlassen, das angebliche Mandat anzunehmen. Die angeblichen Gläubiger und Schuldner tragen häufig deutsche Allerweltsnamen, sind aber der deutschen Sprache nicht mächtig. Unerwünschten Nachfragen dort wird durch eine rasche Übersendung des Schecks des angeblichen Schuldners vorgebeugt. Erstes Warnzeichen ist die unpersönliche Kontaktaufnahme per E-Mail (Anrede Dear Sir oder Dear Counsel), weil es sich möglicherweise um Massenmails handelt, bei denen auf eine individualisierte Anrede erst umgestellt werden kann, wenn der Rechtsanwalt geantwortet hat. In zwei Fällen wurde Individualität dadurch vorgetäuscht, dass bereits in der ersten Kontaktmail behauptet wurde, der angebliche Schuldner residiere am Kanzleisitz, ohne dass jedoch eine Adresse angegeben wurde.  Die verwendeten E-Mail-Endungen verweisen häufig auf Dienste, die Anonymität gewährleisten (hotmail.com, yahoo oder gmail.com). Kennzeichnend für alle bisherigen Fälle war die schnelle Zahlungsbereitschaft der angeblichen Schuldner, die keine Einwände gegen die Berechtigung der angeblichen Forderung haben, sondern sich meist mit vorübergehenden Zahlungsschwierigkeiten oder Schlampigkeit entschuldigen. Die Übersendung der Schecks erfolgt meist zügig.

Da die Betrugsmasche auch bei amerikanischen und kanadischen Anwälten probiert wird, kann man sich auf den Webseiten lawyerscam.blogspot.com oder avoidaclaim.com informieren, ob der angebliche Mandant dort schon aufgefallen ist, denn die Fantasie der Täter bei der Findung der persönlichen Namen oder der Firmennamen scheint begrenzt zu sein.

Eine gute Kontrollmöglichkeit besteht darin, unter Verweis auf das Geldwäschegesetz eine Ausweiskopie des angeblichen Mandanten anzufordern. Die daraufhin per E-Mail übermittelten Ausweiskopien zeigten bisher durchgängig folgende Auffälligkeit: Der „vorgedruckte“ Teil des Ausweises (Kopfzeile mit Staatenname, Surname, Given names, Sex, Place of Birth, Date of Birth etc.) ist auch bei Farbkopien eigenartig blass und verwaschen, während der konkrete Name und Vorname sowie Geburtstag und Geburtsort nebst Ausstellungsdatum des Ausweises meist gestochen scharf und tief schwarz hervortreten und gleichsam über dem Passvordruck zu schweben scheinen. Offenbar sind hier über einen real existierenden Ausweis mit einem Bildbearbeitungsprogramm die individuellen Daten ausgetauscht worden.

Zusammengefasst sollten folgende Auffälligkeiten misstrauisch lassen werden:

  • Erste Kontaktaufnahme per E-Mail enthält unpersönliche Anrede (Dear Sir oder Dear Counsel),
  • E-Mail-Endungen verweisen auf Dienste, die Anonymität gewährleisten (hotmail.com, yahoo oder gmail.com),
  • schnelle Zahlungsbereitschaft der angeblichen Schuldner per Scheck.

Gefälschte Schecks aus den USA oder aus Kanada sollen bis zu zwei Jahre rückbelastbar sein, sodass generell vor einer Weiterüberweisung rein virtueller Schecksummen zu warnen ist. Die Betrugsmasche besteht darin, den RA zu einer Weiterüberweisung der Schecksumme – meist auf ein Konto in Hongkong – zu drängen, bevor der Scheck platzt und der Schaden beim RA eintritt.

Es besteht daher Anlass, die Kolleginnen und Kollegen nochmals darauf hinzuweisen, dass über Scheckgeld erst dann verfügt werden kann, wenn die Bank nicht nur den Scheckbetrag gutgeschrieben hat, sondern auch die wirksame Einlösung bestätigt. Da die Banken dies nicht von sich aus tun, ist unbedingt bei der Bank nachzufragen. Wird obige Betrugsmasche als solche gleich erkannt und Anzeige bei der örtlich zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet, so sollten die Kolleginnen und Kollegen – auch wenn es sich nicht mehr um eine Geldwäscheverdachtsanzeige nach § 11 GwG handelt – gleichwohl eine Kopie der Strafanzeige an den Geldwäschebeauftragten der Bundesrechtsanwaltskammer, Littenstraße 9, 10179 Berlin (johnigk(at)brak.de) übersenden. Telefonische Beratung durch RA Frank Johnigk, Tel.: 030. 2849390.

Auf frühere Warnungen mit ähnlichen Maschen wird hingewiesen (siehe hier).

 
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