Presseinformation Nr. 10 vom 22.04.1999

"In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz"
Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer in zehn deutschen Städten - Erste Station im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vom 30. April bis zum 3. Juni 1999

Bundesrechtsanwaltskammer / Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn / Magdeburg. Am 23. Mai 1999 jährt sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat das Grundgesetz die 40 Jahre der deutschen Teilung ebenso überlebt wie den Prozeß der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam durchführen, soll diesen Wandel greifbar machen: Sie zeigt die Geschichte des Grundgesetzes vom Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, daß das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, daß das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten.

Nicht nur der Entwicklungsprozeß, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel läßt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, daß es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozeß. So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Die Ausstellung wird am 29. April 1999 um 11.00 Uhr im Karlsruher Bundesverfassungsgericht durch dessen Präsidentin, Frau Prof. Dr. Jutta Limbach, vor ca. 400 geladenen Gästen eröffnet. Nach den Grußworten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Herrn Prof. Dr. Eckhart Pick, und des Oberbürgermeisters der Stadt Karlsruhe, Herrn Heinz Fenrich werden die Präsidenten der Bundesrechtsanwaltskammer, Herr RAuN Dr. Eberhard Haas, und der Bundeszentrale für politische Bildung, Herr Dr. Günter Reichert zur Ausstellung einführen.

Von Freitag, den 30. April bis zum 3. Juni 1999 ist die Ausstellung im BVerfG für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.

Öffnungszeiten der Austellung im BVerfG: Mo. - So. 10.00 - 19.00 Uhr,
Do. 10.00 - 21.00 Uhr; am 12. Mai 1999 ist die Ausstellung geschlossen.

Zur Eröffnungsveranstaltung erscheint im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" (Verkaufspreis 24,80 DM), herausgegeben von Stephan Detjen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz.

Darüber hinaus besteht seit Mitte April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet vorab bereits einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie ein Film über die Wanderausstellung angeboten.

Im Anschluß an Karlsruhe folgen bis Juni 2000 neun weitere Stationen:

  • München 11.06.1999 - 17.07.1999
  • Köln 24.07.1999 - 27.08.1999
  • Oldenburg 03.09.1999 - 01.10.1999
  • Frankfurt an der Oder 08.10.1999 - 12.11.1999
  • Schwerin 19.11.1999 - 01.01.2000
  • Bremen 08.01.2000 - 03.02.2000
  • Kiel 10.02.2000 - 17.03.2000
  • Erfurt 24.03.2000 - 28.04.2000
  • Saarbrücken 05.05.2000 - 09.06.2000


Die Wanderausstellung wird unterstützt vom Anwalt-SuchService und vom DeutschlandRadio.


Bonn / Magdeburg, den 22.04.1999

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
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