Presseinformation Nr. 17 vom 21.05.1999

23. Mai 1999: 50. Geburtstag des Deutschen Grundgesetzes

Am 23. Mai 1999 jährt sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozeß der Wiedervereinigung. Heute orientieren sich demokratische Verfassungen in aller Welt an seinem Vorbild.

Wanderausstellung der Bundesrechtsanwaltskammer und der Bundeszentrale für politische Bildung in zehn deutschen Städten: "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz"

Die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam am 29. April 1999 im Karlsruher Bundesverfassungsgericht eröffneten, soll diesen Wandel anschaulich machen: Sie zeigt die Geschichte des Grundgesetzes vom Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte.

In der Ausstellung wird deutlich, daß das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten.

Nicht nur der Entwicklungsprozeß, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Die Wanderausstellung vermittelt, daß es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozeß.

Forderung der Bundesrechtsanwaltskammer: Einbindung der Anwaltschaft in das Grundgesetz

Anläßlich des Verfassungsjubiläums "50 Jahre Grundgesetz" fordert die Bundesrechtsanwaltskammer die Einbindung der anwaltlichen Beistandsfunktion in das Grundgesetz.

"Viele heute selbstverständliche Verfassungspositionen sind von hartnäckigen Anwälten erstritten worden, obwohl ihr Beharren auf Grundrechtspositionen damals als aussichtslos angesehen und bis zum Spruch des Bundesverfassungsgerichts nur von einer Minderheit geteilt wurde", erklärt der Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer, Rechtsanwalt und Notar Dr. Eberhard Haas.

"Die Verankerung des Grundgesetzes im öffentlichen Bewußtsein wäre nicht möglich gewesen ohne jene Beschwerdeführer und ihre Anwälte, die in der sorgfältig abgewogenen Anrufung des Bundesverfassungsgerichts die letzte Möglichkeit zur Durchsetzung ihrer Grundrechtspositionen sahen und so dem Bundesverfassungsgericht, das nicht aus eigener Initiative tätig werden kann, die Möglichkeit zur verfassungsgerichtlichen Weiterentwicklung gaben", so Dr. Haas: "Die Anwaltschaft versteht ihre Funktion als unabhängiges Organ der Rechtspflege deshalb auch als Auftrag, die Grundrechte der Bürger zu schützen und die Errungenschaften rechtsstaatlicher Verfahren zu wahren."

"Die Verankerung eines Grundrechts, sich jederzeit in Rechtssachen beistehen zu lassen, würde das Bewußtsein für den Wert einer anwaltlichen Beistandsfunktion wieder schärfen", erklärt Dr. Haas, "ein solches Grundrecht ließe sich sprachlich klar und einfach formulieren und könnte etwa wie folgt lauten: ‘Jeder kann sich in allen Rechtsangelegenheiten durch einen Rechtsanwalt beraten und vertreten lassen. Die Vertraulichkeit der Beratung darf nicht angetastet werden.’"

Organisatorisches zur Wanderausstellung "In bester Verfassung?!":

Öffnungszeiten - Stationen - Katalog - Internet
Noch bis zum 3. Juni 1999 ist die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" im BVerfG für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.

Öffnungszeiten der Austellung im BVerfG:
Mo. - So. 10.00 - 19.00 Uhr, Do. 10.00 - 21.00 Uhr

Im Anschluß an Karlsruhe folgen bis Juni 2000 neun weitere Stationen:

  • München: 11.06.99 - 17.07.99, Justizpalast
  • Köln: 24.07.99 - 27.08.99, Verwaltungsgericht
  • Oldenburg: 03.09.99 - 01.10.99, Schloß / Landesmuseum
  • Frankfurt / Oder: 08.10.99 - 12.11.99, Rathaus
  • Schwerin: 19.11.99 - 01.01.00, Landgericht
  • Bremen: 08.01.00 - 03.02.00, Untere Rathaushalle
  • Kiel: 10.02.00 - 17.03.00, Schloß / Landesbibliothek
  • Erfurt: 24.03.00 - 28.04.00, Bundesarbeitsgericht
  • Saarbrücken: 05.05.00 - 09.06.00, Rathaus


Der im Verlag Dr. Otto Schmidt erschienene Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" ist im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).


Bonn, den 21. Mai 1999

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
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