Presseinformation Nr. 21 vom 02.09.1999

Versicherungen übernehmen im September 14.000 Notrufsäulen. Bundesrechtsanwaltskammer warnt vor Beratung zweiter Klasse an der Notrufsäule

Bundesrechtsanwaltskammer, Bonn. Nach der Anfang dieses Jahres getroffenen Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums werden ab September 1999 die rund 14.000 Notrufsäulen entlang der Autobahnen in Deutschland vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betrieben. Bereits am Unfallort soll der Unfallbeteiligte damit ab September ein Call-Center der gegnerischen Haftpflichtversicherung anrufen können. Erreicht werden soll hiermit nach Angaben der Versicherungswirtschaft eine schnelle und unkomplizierte Regulierung des Schadens.

Die Bundesrechtsanwaltskammer befürchtet, daß Versicherer der Versuchung unterlegen werden, die gesetzlichen Ansprüche der Geschädigten nicht voll zu befriedigen: "Dieses Angebot der Versicherungswirtschaft bringt wegen seiner scheinbaren Unkompliziertheit für den geschädigten Autofahrer nur auf den ersten Blick eine erfreuliche Vereinfachung mit sich", erklärt Rechtsanwalt und Notar Dr. Eberhard Haas, Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer, "es ist doch nicht nachvollziehbar, daß der Schädiger - vertreten durch seine Versicherung - Berater des Geschädigten sein soll. Wie soll der Geschädigte ohne unabhängige Beratung seine Ansprüche gegen die Versicherung kennen", weist Dr. Haas auf die damit verbundene Möglichkeit der Einschränkung von Schadensersatzrechten hin.

"Die Bundesrechtsanwaltskammer rät deshalb allen Geschädigten sich direkt nach einem Unfall fachkundig beraten zu lassen, in welchem Umfang der gegnerische Unfallbeteiligte überhaupt haftet und ob eventuell eine Mitschuld droht", so Dr. Haas, "und in Zeiten der immer moderner werdenden Kommunikation sind übrigens auch immer mehr Handybesitzer nicht mehr auf die Notrufsäulen angewiesen."

"Der Geschädigte sollte sich bei einem Anwalt genauestens über die Rechtslage und die Notwendigkeit eines unabhängigen Sachverständigen informieren", empfiehlt der Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. "Wichtig hierbei ist auch die detaillierte Aufklärung des Geschädigten darüber, welche der ihm zustehenden Ansprüche, wie zum Beispiel Nutzungsausfallzahlungen, die Wertminderung oder eine Auslagenpauschale, er gegen die Versicherung geltend machen kann", erklärt Dr. Haas, "denn hier wollen die Versicherungen bekannterweise sparen."


Bonn, 2. September 1999

 

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