Presseinformation Nr. 32 vom 19.11.1999

"In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz"
Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer in der sechsten von zehn deutschen Städten. Eröffnung im Landgericht Schwerin am 19. November 1999

Bundesrechtsanwaltskammer, Schwerin. Ausstellung in Mecklenburg-Vorpommern bis zum 1. Januar 2000. Am Freitag, den 19. November 1999 macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer Deutschlandtournee Station im Landgericht Schwerin. Die Ausstellung, die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam und insbesondere mit Unterstützung der jeweiligen regionalen Rechtsanwaltskammer bis Mitte 2000 in insgesamt zehn deutschen Städten durchführen, soll das Jubiläum des deutschen Grundgesetz greifbar machen.

Vom 19. November bis zum 1. Januar 2000 gastiert die Wanderausstellung in Schwerin. Kooperationspartner hier sind die Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern und das Justizministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Sie zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozeß der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, daß das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, daß das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozeß, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel läßt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht:
Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Ein-heit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung. Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, daß es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozeß. So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten fünf Stationen der Wanderausstellung (Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloß in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder)), besteht nun in Schwerin sechs Wochen Gelegenheit zur Besichtigung:
Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird heute am 19. November 1999 um 16.00 Uhr im Landgericht Schwerin durch den Ministerpräsidenten und Justizminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Dr. Harald Ringstorff, und den Vizepräsidenten der Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Rechtsanwalt Dr. Axel Schöwe, eröffnet.
Bevor die Gäste durch die Ausstellung im Landgericht geführt werden, wird auch der Präsident des Landesverfassungsgerichts des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Herr Dr. Gerhard Hückstädt, ein Grußwort an sie richten.

Von Montag, den 22. November bis zum 1. Januar 2000 ist die Ausstellung im Schweriner Landgericht für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Landgericht Schwerin
(Demmlerplatz 1 - 2, 19053 Schwerin):
Montag - Donnerstag 7.30 - 17.00 Uhr und Freitag 7.30 - 15.00 Uhr

Auf Wunsch werden auch Gruppenführungen durchgeführt; nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über die Pressesprecherin des Justizministeriums Mecklenburg-Vorpommern, Frau Richterin Babette Bohlen (Tel. 0385/ 588-3003), und den Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Rechtsanwalt Franz-J. Hofer (0385/ 557 43-85).

Im Anschluß an Schwerin folgen bis Juni 2000 vier weitere Stationen:
Bremen 08.01.00 - 03.02.00 Untere Rathaushalle
Kiel 10.02.00 - 17.03.00 Schloß / Landesbibliothek
Erfurt 24.03.00 - 28.04.00 Bundesarbeitsgericht
Saarbrücken 05.05.00 - 09.06.00 Rathaus

Zu Beginn der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" - herausgegeben von Stephan Detjen - erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Darüber hinaus besteht seit Mitte April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet vorab bereits einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten.
Die Wanderausstellung wird unterstützt vom Anwalt-SuchService und vom DeutschlandRadio.



Schwerin, den 19. November 1999

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
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Fax 030.28 49 39 -11
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