Presseinformation Nr. 19 vom 10. August 2000

„In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz"
Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer in der zwölften deutschen Stadt

Eröffnung in Frankfurt am Main am 10. August 2000 durch den Hessischen Minister der Justiz Dr. Christean Wagner – Ausstellung im Landgericht bis zum 29. September 2000

Bundesrechtsanwaltskammer / Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn / Frankfurt. Von Freitag, den 11. August 2000 an macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer Deutschlandtournee Station in Frankfurt am Main. Die Ausstellung, die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam und vor Ort mit Unterstützung der jeweiligen regionalen Rechtsanwaltskammer und der Landeszentrale für politische Bildung seit Mai 1999 in bisher bereits elf deutschen Städten durchgeführt haben, wird nach der großen Besucherresonanz in der ersten Ausstellungsrunde (mit über 40.000 Besuchern in zehn Städten) fortgesetzt. Die Wanderausstellung wird das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes noch bis Ende 2001 anschaulich machen.

Vom 11. August bis zum 29. September 2000 gastiert die Wanderausstellung im Landgericht in Frankfurt am Main. Kooperationspartner hier sind das Hessische Ministerium der Justiz und die Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten elf Stationen der Wanderausstellung (Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), Landgericht in Schwerin, Untere Rathaushalle in Bremen, Landesbibliothek im Kieler Schloss, Bundesarbeitsgericht in Erfurt, Rathaus in Saarbrücken und Landgericht in Ulm), besteht nun in Frankfurt sieben Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird am Donnerstag, den 10. August 2000 um 10.30 Uhr im Gebäude B des Frankfurter Landgerichts eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Landgerichts Frankfurt am Main, Herrn Eberhard Kramer, der Ansprache des Hessischen Ministers der Justiz, Herrn Dr. Christean Wagner und dem Grußwort des Vizepräsidenten der Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main, Herrn Rechtsanwalt und Notar Albrecht Stockburger, stellt der Herausgeber des Ausstellungskatalogs und rechtspolitischer Korrespondent beim "DeutschlandRadio Berlin", Herr Rechtsanwalt Stephan Detjen, die Ausstellung vor. Anschließend werden die Gäste durch die Ausstellung im Landgericht Frankfurt am Main geführt.

Vom Freitag, den 11. August bis zum Freitag, den 29. September 2000 ist die Ausstellung im Landgericht Frankfurt am Main für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Landgericht Frankfurt am Main, Gebäude B (Gerichtsstraße 2, 60313 Frankfurt am Main):

Montag – Freitag: 8.00 - 16.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Führungen für Gruppen und insbesondere für Schulklassen durch die Ausstellung finden täglich statt, wobei eine telefonische Voranmeldung erforderlich ist. Nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über das Landgericht Frankfurt am Main, Herrn Oberregierungsrat Burster und Herrn Amtsrat Schmid (Tel.: 069/ 13 67–23 04 und –23 74).

Im Anschluss an Frankfurt (12. Station) folgen in diesem Jahr die bereits feststehenden Stationen:

  • Münster 05. Oktober 00 – 10. November 00 Landeshaus
  • Dresden 17. November 00 – 29. Dezember 00 Oberlandgericht


Das Ende der Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" ist für Dezember 2001 geplant, wobei noch die Städte Magdeburg, Bonn, Hamburg, Berlin und Karlsruhe (alle unter Vorbehalt) vorgesehen sind.

Zu Beginn der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" - herausgegeben von Rechtsanwalt Stephan Detjen - erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist während der Öffnungszeiten im Frankfurter Landgericht sowie im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Darüber hinaus besteht seit Beginn der Wanderausstellung am 29. April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet vorab bereits einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter http://www.50-jahre-grundgesetz.de werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten.

Die Wanderausstellung wird bundesweit unterstützt vom Anwalt-SuchService und vom DeutschlandRadio.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
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Fax 030.28 49 39 -11
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