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Presseinformation Nr. 25 vom 26. September 2000

"Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
Beginn der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und der Bundesrechtsanwaltskammer in Leipzig

Eröffnung auf dem 63. Deutschen Juristentag am 27. September 2000, 13 Uhr durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Konrad Redeker
Ausstellung in der Glashalle der Leipziger Messe am 27. und 28. September 2000

Fortsetzung der Ausstellung im Neuen Rathaus von Leipzig vom 10. bis zum 30. Oktober 2000

Bundesrechtsanwaltskammer / Deutscher Juristentag e.V., Bonn / Leipzig. Am Mittwoch, dem 27. September 2000, wird im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages in Leipzig die Wanderausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" eröffnet.

Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer gemeinsam durchführen, zeigt auf insgesamt 23 Tafeln, ergänzt um zahlreiche Originalexponate, das Schicksal Berliner Anwälte jüdischen Glaubens. Durch die Unterstützung der Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig werden darüber hinaus auch Schicksale jüdischer Anwälte aus Leipzig dargestellt.

Zunächst kann die Wanderausstellung in der Glashalle der Leipziger Messe am 27. und 28. September 2000 besichtigt werden. Im Anschluss an den 63. Deutschen Juristentag wird sie vom 10. bis zum 30. Oktober 2000 im Neuen Rathaus von Leipzig zu sehen sein.
Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer wollen mit dieser Ausstellung an die von der NS-Verfolgung betroffenen Anwälte und die diskriminierenden Maßnahmen erinnern, unter denen diese zu leiden hatten.

Dabei wird der Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen völlig neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse sowie die juristische Sphäre.

Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.

Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde gleich 1933 die Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat. Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Zu diesem Zeitpunkt waren diejenigen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als Juden galten, "verzichtbar".

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege einzelner Anwälte. Es werden Prominente, aber auch ganz einfache "Wald- und Wiesenanwälte" porträtiert. Besondere Beachtung wird der regionalen Situation geschenkt: Welche Bedingungen in Leipzig geherrscht haben, wird auf gesonderten Tafeln erläutert, die auf den Recherchen von Rechtsanwalt Hubert Lang von der Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig beruhen. Wie überall wurden auch die Leipziger Anwälte und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen, weil sie nun nur noch als Juden galten – und nicht mehr als Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere.

Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland, aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie – schrittweise immer weiter entrechtet – ab 1941 der Tötungsmaschinerie ausgeliefert wurden.

Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit, weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch die Würde, genommen werden sollte.

Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte. Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue Einblicke in zeithistorische Ereignisse.

Die Ausstellung basiert auf einer regional auf Berlin bezogenen Ausstellung, veranstaltet von der Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum zu sehen.

Nun besteht in Leipzig insgesamt knapp vier Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung. Die Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" wird am Mittwoch, dem 27. September 2000, 13.00 Uhr im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages in der Glashalle der Leipziger Messe eröffnet. Die Ansprache wird Herr Rechtsanwalt Prof. Dr. Konrad Redeker halten. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Leipziger Synagogalchor.
Im Anschluss an die Eröffnung ist die Ausstellung am Mittwoch, dem 27. September und am Donnerstag, dem 28. September 2000 in der Leipziger Messe für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Leipziger Messe, Glashalle (Messe-Allee 1, 04356 Leipzig):

Mittwoch, 27. September 00: 14.00 – 18.00 Uhr
Donnerstag, 28. September 00: 9.00 – 18.00 Uhr

Anschließend ist die Ausstellung im Neuen Rathaus von Leipzig vom Dienstag, dem 10. Oktober bis zum Montag, dem 30. Oktober 2000 zu besichtigen. Auch hier ist der Eintritt kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Neuen Rathaus von Leipzig, Untere Wandelhalle (Martin-Luther-Ring 4 – 6, 04109 Leipzig):

Montag – Donnerstag: 7.00 – 18.00 Uhr
Freitag: 7.00 – 15.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen durch die Ausstellung erhalten Interessierte bei der Geschäftsstelle des Ortsausschusses für den 63. Deutschen Juristentag unter den Telefon-Nummern: 0341 / 49 40–282 und –283.

Im Anschluss an Leipzig sind weitere Städte vorgesehen, in denen die Wanderausstellung bis voraussichtlich Ende 2002 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch die Vorbereitungen.

Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht – das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer Berlin ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone Ladwig-Winters aus Berlin. Das Buch ist im Verlag "be.bra" erschienen und im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3–930863–41–3 erhältlich (Verkaufspreis 59,90 DM).

Abschließend einige Angaben zu denjenigen, die die Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" ermöglicht und realisiert haben:

Veranstalter: Deutscher Juristentag e.V., Bonn
Bundesrechtsanwaltskammer, Bonn
unter Mitwirkung der: Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig
mit freundlicher Unterstützung durch: den Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln
Projektleitung: RA Stephan Göcken, Bonn
RA Dr. Andreas Nadler, Bonn
Konzeption, Koordination,
Recherche und Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters, Berlin
Grafische Gestaltung: Hauke Sturm, Berlin
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
10179 Berlin
Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
 
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