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Presseinformation Nr. 3 vom 07. Februar 2000

"In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz"
Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer in der achten von zehn deutschen Städten

Eröffnung im Kleinen Saal des Kieler Schlosses am 9. Februar 2000

Ausstellung in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek bis 19.3.00

Am Mittwoch, den 9. Februar 2000 macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer Deutschlandtournee Station in Kiel. Die Ausstellung, die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam und vor Ort mit Unterstützung der jeweiligen regionalen Rechtsanwaltskammer und der Landeszentrale für politische Bildung bis Mitte 2000 in insgesamt zehn deutschen Städten durchführen, soll das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes greifbar machen. Vom 10. Februar bis zum 19. März 2000 gastiert die Wanderausstellung in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek im Kieler Schloss. Kooperationspartner hier sind die Schleswig-Holsteinische Rechtsanwaltskammer und die Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten sieben Stationen der Wanderausstellung (Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), Landgericht in Schwerin und Untere Rathaushalle in Bremen), besteht nun in Kiel rund vier Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird am 9. Februar 2000 um 11.00 Uhr (Vorbesichtigung für die Presse am 09. Februar 2000 um 10.00 – geführt von Stephan Detjen, rechtspolitischer Korrespondent beim DeutschlandRadio Berlin) im Kleinen Saal des Kieler Schlosses durch den Präsidenten der Schleswig-Holsteinischen Rechtsanwaltskammer, Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Wolfram Schröder, den Direktor der Landeszentrale für Politische Bildung Schleswig-Holstein, Herrn Dr. Karl-Heinz Harbeck und den Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Herrn Prof. Dr. Dieter Lohmeier eröffnet.

Bevor die Gäste durch die Ausstellung in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek im Kieler Schloss geführt werden, wird der bekannte Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Albert von Mutius von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Eröffnungsansprache zum Thema "Grundrechtsschutz im Grundgesetz – Entwicklungen, Auswirkungen und Perspektiven" halten.

Vom Donnerstag, den 10. Februar bis zum 19. März 2000 ist die Ausstellung in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, Landeshalle im Kieler Schloss (Wall 74, 24103 Kiel):

Montag - Freitag 10.00 - 13.00 Uhr und 14.00 - 17.00 Uhr
Sonntag 11.00 - 17.00 Uhr
Samstag geschlossen

Auf Wunsch werden auch Führungen für Schulklassen und Gruppen durchgeführt; nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, Frau Dr. Paczkowski und Frau Röhr (Tel.: 0431/ 90 67-165 und -166, Fax: -167).

Darüber hinaus ist im Rahmen der Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" eine interessante Vortragsveranstaltung im Kieler Schloss (Förde-Foyer) geplant:

16. März 2000: Prof. Dr. Wilfried Röhrich, Universität Kiel "Der Sozialstaat nach dem Grundgesetz: Ein Postulat – auch im Zeichen der Globalisierung?"
Beginn ist um 19.30 Uhr; der Eintritt ist frei.

Im Anschluss an die 8. Station Kiel folgen bis Juni 2000 zwei weitere Stationen:

  • Erfurt 24. März 00 - 28. April 00 Bundesarbeitsgericht
  • Saarbrücken 05. Mai 00 - 09. Juni 00 Rathaus


Zu Beginn der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" - herausgegeben von Stephan Detjen - erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Darüber hinaus besteht seit Beginn der Wanderausstellung im April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet vorab bereits einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten.

Die Wanderausstellung wird bundesweit unterstützt vom Anwalt-SuchService und vom DeutschlandRadio und in Kiel zusätzlich von den Kieler Nachrichten, der Landesbank Schleswig-Holstein, der Provinzial-Versicherung sowie vom Radio Schleswig-Holstein.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
10179 Berlin
Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
 
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