Logo: Bundesrechtsanwaltskammer

Presseinformation Nr. 40 vom 16. November 2000

1949 – 1999: "In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz"
14. Station der Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer

Sächsicher Staatsminister der Justiz Manfred Kolbe bei der Eröffnung in Dresden am 16. 11. 2000 um 19.00 Uhr

Ausstellung im OLG Dresden vom 17. November 2000 bis zum 5. Januar 2001

Bundesrechtsanwaltskammer / Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn / Dresden. Ab Donnerstag, dem 16. November 2000, macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer ’Deutschlandtournee’ Station in Dresden. Nach der großen Besucherresonanz in der ersten Ausstellungsrunde (mit über 40.000 Besuchern in zehn Städten) wird die Ausstellung weiter fortgesetzt und noch bis Ende 2001 das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes anschaulich machen. Die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung haben gemeinsam und mit Unterstützung der regionalen Rechtsanwaltskammern sowie der Landeszentralen für politische Bildung die Wanderausstellung seit Mai 1999 in bisher bereits 13 deutschen Städten durchgeführt.

Vom 17. November 2000 bis zum 5. Januar 2001 wird die Wanderausstellung im Oberlandesgericht in Dresden gezeigt. Kooperationspartner sind die Rechtsanwaltskammer Sachsen und die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten 13 Stationen der Wanderausstellung (Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), Landgericht in Schwerin, Untere Rathaushalle in Bremen, Landesbibliothek im Kieler Schloss, Bundesarbeitsgericht in Erfurt, Rathaus in Saarbrücken, Landgericht in Ulm, Landgericht in Frankfurt am Main und Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster), besteht nun in Dresden vom 17. November 2000 bis zum 5. Januar 2001 sieben Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird am Donnerstag, den 16. November 2000 um 19.00 Uhr im Saal 1.99 des Dresdener Oberlandesgerichts eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Sachsen, Herrn Rechtsanwalt Dr. Gerhard Baatz, folgen Grußworte des Sächsischen Staatsministers der Justiz, Herrn Manfred Kolbe, und des Direktors der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Herrn Dr. Wolf-Dieter Legall. Sodann hält der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Herr Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz, einen Festvortrag zur Ausstellungseröffnung. Interessierte Gäste haben anschließend Gelegenheit, an einer Führung durch die Ausstellung teilzunehmen.

Vom Freitag, dem 17. November 2000, bis zum Freitag, dem 5. Januar 2001, ist die Ausstellung im Oberlandesgericht in Dresden für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Oberlandesgericht in Dresden
(Lothringer Straße 1, 01069 Dresden):

Montag – Freitag: 8.00 - 18.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Kostenlose Führungen für Gruppen und insbesondere für Schulklassen durch die Ausstellung finden nach Absprache statt. Nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Frau Siegert (Tel.: 0351 / 853 18-40) und Herr Rellecke (Tel.: 0351 / 853 18-41).

Darüber hinaus finden zum Themenkreis der Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" mehrere interessante Vortragsveranstaltungen in Dresden statt – hier eine Auswahl:

  • Sa.,18. November 2000: Nora von Müffling (Staatsanwaltschaft Dresden) - 11.00 Uhr - "Aufarbeitung des SED-Unrechts im Land Sachsen" im Info- und Doku-Zentrum der Außenstelle Dresden der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
  • Sa., 18. November 2000: Filmvorführung mit Einführungsvortrag und Zeitzeugengespräch - 15.00 Uhr - "Wir sprechen hier Recht! SED-Justiz in Waldheim" im Info- und Doku-Zentrum der Außenstelle Dresden der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes
  • Mo., 20. November 2000: Professor Dr. Hartmut Jäckel - 18.00 Uhr - "Wie sinnvoll sind Parteiverbote?" im Vortragssaal der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Dresden


Der Eintritt ist jeweils frei.

Nähere Informationen hierzu und weitere Veranstaltungstermine über die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (Tel.: 0351 / 853 18-20)

Im Anschluss an Dresden folgt Anfang des nächsten Jahres die 15. Station: Kassel 12. Januar – 09. Februar 2001 Landgericht

Das Ende der Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" ist für Dezember 2001 geplant.

Aus Anlass der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" – herausgegeben von Rechtsanwalt Stephan Detjen – erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist während der Ausstellungsdauer bei der Rechtsanwaltskammer Sachsen und bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung sowie darüber hinaus im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Desweiteren besteht seit Beginn der Wanderausstellung am 29. April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten

Die Wanderausstellung wird bundesweit unterstützt vom AnwaltSuchService und vom DeutschlandRadio.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
10179 Berlin
Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
 
  1. » Startseite
  2. » Für Journalisten
  3. » Pressemitteilungen - Archiv
  4. » 2000
  5. » Presseinformation 40/2000

gedruckt am 11.17.2017

Copyright 2017 - Bundesrechtsanwaltskammer