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Presseinformation Nr. 7 vom 23. März 2000

"In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz"
Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer in der neunten von zehn deutschen Städten

Eröffnung im Bundesarbeitsgericht am 23. März 2000 – Ausstellung in Erfurt bis zum 28. April 2000

Am Donnerstag, den 23. März 2000 macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer Deutschlandtournee Station in Erfurt. Die Ausstellung, die die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung gemeinsam und vor Ort mit Unterstützung der jeweiligen regionalen Rechtsanwaltskammer und der Landeszentrale für politische Bildung bis Mitte 2000 in insgesamt zehn deutschen Städten durchführen, soll das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes greifbar machen.

Vom 24. März bis zum 28. April 2000 gastiert die Wanderausstellung im Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Kooperationspartner hier sind die Rechtsanwaltskammer Thüringen und die Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten acht Stationen der Wanderausstellung (Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), Landgericht in Schwerin, Untere Rathaushalle in Bremen und Landesbibliothek im Kieler Schloss), besteht nun in Erfurt fünf Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird am Donnerstag, den 23. März 2000 um 11.00 Uhr (Pressekonferenz und Vorbesichtigung für die Presse am 23. März 2000 um 9.30 Uhr) im Bundesarbeitsgericht in Erfurt eröffnet.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Bundesarbeitsgerichtes, Herrn Dr. Hellmut Wißmann, und dem Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Erfurt, Herrn Manfred Ruge, folgen Ansprachen durch den Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen, Herrn Bernhard Vogel, den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Herrn Walter Riester, und den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Thüringen, Herrn Rechtsanwalt Jürgen Czernitzky, bevor die Gäste durch die Ausstellung im Bundesarbeitsgericht geführt werden.

Vom Freitag, den 24. März bis zum 28. April 2000 ist die Ausstellung im Bundesarbeitsgericht für die Öffentlichkeit zugänglich, wobei der Eintritt kostenlos ist.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Bundesarbeitsgericht (Hugo-Preuß-Platz 1, 99084 Erfurt):

Montag - Freitag 9.00 - 16.00 Uhr
zusätzlich am Samstag, den 1. April 2000: 10.00 - 15.00 Uhr
und am Samstag, den 22. April 2000: 10.00 - 15.00 Uhr
Sonntags geschlossen

Führungen durch die Ausstellung finden täglich statt, wobei eine telefonische Voranmeldung erforderlich ist. Nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über das Bundesarbeitsgericht (Tel.: 0361/ 26 36-12 14 von Mo. bis Do.).

Darüber finden im Rahmen der Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" drei interessante Vortragsveranstaltungen im Bundesarbeitsgericht statt:

  • 29. März 2000: Ingrid Schmidt, Richterin am Bundesarbeitsgericht "Die Berufsfreiheit der Arbeitnehmer" – Der Beitrag zur Wiedervereinigung zum neuen Verständnis eines Freiheitsrechts
  • 05. April 2000: Klaus Bepler, Richter am Bundesarbeitsgericht "Wir haben Gerechtigkeit erwartet und den Rechtsstaat bekommen" – Erläuterungen eines Verfassungsprinzips
  • 19. April 2000: Dr. Ingrid Anker, Soziologin der Militärakademie München, i.A. des Frauenzentrums "Grundgesetzänderung – Frauen in den Wehrdienst"


Beginn ist jeweils um 19.00 Uhr; der Eintritt ist frei.

Im Anschluss an die 9. und vorletzte Station Erfurt folgt bis Juni 2000 noch eine Station: Saarbrücken 05. Mai 00 - 09. Juni 00 Rathaus

Zu Beginn der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" - herausgegeben von Stephan Detjen - erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist während der Öffnungszeiten beim Pförtner des Bundesarbeitsgerichts sowie im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Darüber hinaus besteht seit Beginn der Wanderausstellung im April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich via Internet vorab bereits einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten.

Die Wanderausstellung wird bundesweit unterstützt vom Anwalt-SuchService und vom DeutschlandRadio.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
10179 Berlin
Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
 
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