Presseinformation Nr. 13 vom 05. April 2001

"Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
5. Station der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und der Bundesrechtsanwaltskammer in Bochum

Eröffnung im Landgericht Bochum am 26. April 2001 um 17.00 Uhr durch den Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen Jochen Dieckmann - Ausstellung im Landgericht bis zum 30. Mai 2001

Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Deutscher Juristentag e.V. ( Bonn), Bochum. Der Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen Jochen Dieckmann wird am Donnerstag, dem 26. April 2001, um 17.00 Uhr die Wanderausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" im Landgericht Bochum eröffnen. Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer gemeinsam veranstalten, zeigt auf rund 20 Tafeln das Schicksal von Anwälten jüdischer Herkunft.

Regionale Kooperationspartner in Bochum sind der Bochumer Anwalt- und Notarverein e.V., die Präsidentin des Landgerichts Bochum, die Dokumentations- und Forschungsstelle "Justiz und Nationalsozialismus" an der Justizakademie NRW,Recklinghausen, und der Verein "Erinnern für die Zukunft e.V.", Bochum.

Nachdem die Wanderausstellung erstmals im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages Ende September 2000 in Leipzig (an zwei Standorten) und anschließend in Heidelberg und Darmstadt gezeigt worden ist, kann sie nun in Bochum bis zum 30. Mai 2001 kostenlos besichtigt werden.

Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale der von NS-Verfolgung betroffenen Anwälte und Anwältinnen und die diskriminierenden Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich.

Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse.

Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.

Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat. Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab diesem Zeitpunkt wurden diejenigen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als Juden galten, für "verzichtbar" gehalten.

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch weniger bekannte Anwälte porträtiert. Wie überall in Deutschland wurden auch im Landgerichtsbezirk Bochum Anwälte und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen, weil sie nun nur noch als Juden galten – und nicht mehr als Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere.
Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland, aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie – schrittweise immer weiter entrechtet – ab 1941 der Tötungsmaschinerie ausgeliefert wurden.

Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit, weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch die Würde, genommen werden sollte.

Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte. Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue Einblicke in zeithistorische Ereignisse.

Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933", veranstaltet von der Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.

Nun besteht in Bochum fünf Wochen Gelegenheit zur Besichtigung der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" trägt. Die Ausstellung wird am Donnerstag, dem 26. April 2001, um 17.00 Uhr im Foyer des Bochumer Landgerichts eröffnet.

Nach der Begrüßung durch die Präsidentin des Landgerichts Bochum, Frau Anne-José Paulsen, eröffnet der Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Herr Jochen Dieckmann, die Ausstellung. Anschließend folgen kurze Ansprachen des Vorsitzenden des Bochumer Anwalt- und Notarvereins, Herrn Rechtsanwalt Egbert Schenkel, des Oberbürgermeisters der Stadt Bochum, Herrn Ernst-Otto Stüber, des Rektors der Ruhr-Universität Bochum, Herrn Prof. Dr. Dietmar Petzina, sowie des Historikers an der Ruhr-Universität Bochum Herrn Dr. Hubert Schneider. Im Anschluss an die Eröffnung und einen kleinen Empfang besteht für die Gäste Gelegenheit, die Wanderausstellung im Landgericht zu besichtigen.

Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum Mittwoch, dem 30. Mai 2001, für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Landgericht Bochum, Saaltrakt Gebäude C (Viktoriastraße 14, 44787 Bochum):

Montag – Freitag: 8.00 – 16.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen durch die Ausstellung erhalten Interessierte beim Service-Center des Bochumer Anwaltvereins unter der Tel.-Nr.: 0234 / 140 45 (Frau Dahlmann) und per e-Mail anwaltsverein.bo@tmr-online.de sowie beim Landgericht Bochum unter den Tel.-Nr.: 0234 / 967–21 13 (Herr Dr. Lemcke, Richter am LG) und 0234 / 967–21 28 (Herr Schossier, Richter am LG) und per e-Mail pressedezernent@lg-bochum.nrw.de.

Darüber hinaus finden im Mai 2001 zum Themenkreis der Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" mehrere interessante Vortragsveranstaltungen im Landgericht Bochum statt.

Begleitveranstaltungen zur Ausstellung:

im Landgericht Bochum, 44787 Bochum, Eingang Westring 8, Saal C 41, Beginn jeweils um 17.00 Uhr (der Eintritt ist frei)

  • Mittwoch, 2. Mai 2001
    Dr. Hubert Schneider, Bochum: "Schicksale jüdischer Rechtsanwälte in Bochum"
  • Mittwoch, 9. Mai 2001
    Dr. Hans-Eckhard Niermann, Warendorf: "Das OLG Hamm im Nationalsozialismus"
  • Mittwoch 16. Mai 2001
    Prof. Dr. Ingo Müller, Bremen: "Gehässigkeit und Missgunst – Der Beitrag der Justiz zur Verfolgung der Juden"
  • Dienstag, 22. Mai 2001
    Dr. Holger Schlüter, Hagen: "Die Urteilspraxis des Volksgerichtshofes"
  • Mittwoch, 30. Mai 2001
    Prof. Dr. Norbert Frei, Bochum: "Der Nürnberger Prozess und die Deutschen"
    Gesprächsleitung:
    Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, Dokumentations- und Forschungsstelle "Justiz und Nationalsozialismus" an der Justizakademie des Landes Nordrhein-Westfalen, Recklinghausen


Weitere Hinweise:

Im Anschluss an Bochum folgt als 6. Station: Freiburg 05. Juni 2001 – 13. Juli 2001 LG Freiburg

An Freiburg anschließend sind weitere deutsche Städte vorgesehen, in denen die Wanderausstellung voraussichtlich bis zum Ende des Jahres 2002 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch die Vorbereitungen.

Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht – das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone Ladwig-Winters aus Berlin, die die Ausstellung konzeptioniert und koordiniert hat. Das Buch ist im be.bra-Verlag erschienen und im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3–930863–41–3 erhältlich (Verkaufspreis 59,90 DM).

Deswweiteren besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht werden neben exemplarischen Bildern, Exponaten und Texten u.a. ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung sowie die bevorstehenden Ausstellungsorte und –termine einschließlich der jeweiligen Anfahrtsbeschreibungen angeboten.

Die Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" wurde ermöglicht und realisiert:

Veranstalter:
Deutscher Juristentag e.V. (DJT), Bonn
Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Berlin
mit freundlicher Unterstützung durch den: Verlag Dr. Otto Schmidt (OVS), Köln
Projektleitung: RA Dr. Andreas Nadler (DJT), Bonn
Konzeption, Koordination, Recherche u. Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters, Berlin
Koordination der Ausstellungswanderung: APEX - Anja Ostermann, Gevelsberg
Grafische Gestaltung (Ausstellung / Print): Hauke Sturm, Berlin
Webdesign: Tom-E-Design – Tom Weber, Bergisch Gladbach
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar
Regionale Veranstalter in Bochum: Bochumer Anwalt- und Notarverein Bochum e.V.
Präsidentin des Landgerichts Bochum
Dokumentations- und Forschungsstelle "Justiz und Nationalsozialismus" an der Justizakademie NRW, Recklinghausen
Verein "Erinnern für die Zukunft e.V.", Bochum
Lokale Recherche, Aufarbeitung und Texte für Bochum: Dr. Hubert Schneider, Historiker an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Vereins "Erinnern für die Zukunft e.V.", Bochum
Andrea Löw, Ruhr-Universität Bochum

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

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Littenstr. 9
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Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
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