Presseinformation Nr. 33 vom 09. November 2001

"Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
9. Station der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und der Bundesrechtsanwaltskammer in Ravensburg

Eröffnung am 9. November 2001 um 18.00 Uhr

Ausstellung im Landgericht Ravensburg bis zum 6. Januar 2002
Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Deutscher Juristentag e.V. ( Bonn), Ravensburg. Die Rechtsanwaltskammer Tübingen eröffnet heute – auf den Tag genau 63 Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938, um 18.00 Uhr die Wanderausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" im Landgericht Ravensburg. Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer veranstalten, zeigt auf 18 Tafeln das Schicksal von Anwälten jüdischer Herkunft.

Regionaler Kooperationspartner in Ravensburg ist die Rechtsanwaltskammer Tübingen mit freundlicher Unterstützung durch den Präsidenten des Landgerichts Ravensburg. Nachdem die Wanderausstellung erstmals im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages Ende September 2000 in Leipzig (an zwei Standorten) und anschließend in Heidelberg, Darmstadt, Bochum, Freiburg, Nürnberg (im Rahmen des 1. Europäischen Juristentages) und in München gezeigt worden ist, kann sie nun in der 9. Station in Ravensburg bis zum 6. Januar 2001 kostenlos besichtigt werden.
Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale der von NS-Verfolgung betroffenen Anwälte und Anwältinnen und die diskriminierenden Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse.

Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.
Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat. Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab diesem Zeitpunkt wurden diejenigen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als Juden galten, für "verzichtbar" gehalten.

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch weniger bekannte Anwälte porträtiert. Wie überall in Deutschland wurden auch in der Region der Rechtsanwaltskammer Tübingen Anwälte und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen, weil sie nun nur noch als Juden galten – und nicht mehr als Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere.

Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland, aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie – schrittweise immer weiter entrechtet – ab 1941 der Tötungsmaschinerie ausgeliefert wurden.

Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit, weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch die Würde, genommen werden sollte.

Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte. Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue Einblicke in zeithistorische Ereignisse.

Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933", veranstaltet von der Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.

Nun besteht in Ravensburg acht Wochen Gelegenheit zur Besichtigung der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" trägt. Die Ausstellung wird am Freitag, dem 9. November 2001, um 18.00 Uhr im Landgericht in Ravensburg eröffnet.

Die Eröffnungsansprache wird der Präsident der Rechtsanwaltskammer Tübingen, Herr Rechtsanwalt Ekkehart Schäfer, halten. Anschließend folgen der Vortrag "Recht ohne Rechtfertigung" des emer. Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts für empirische Kulturwissenschaft an der Universität Tübingen, Herrn Prof. Dr. Hermann Bausinger, sowie eine Eröffnungsrede der Historikerin Frau Dr. Simone Ladwig-Winters, die die Wanderausstellung konzeptioniert, gestaltet und mitkoordiniert hat. Im Anschluss an die Eröffnung besteht für die Gäste Gelegenheit, während eines kleinen Empfangs die Wanderausstellung im Ravensburger Landgericht zu besichtigen.
Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum 6. Januar 2002 für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Landgericht Ravensburg (Marienplatz 7, 88212 Ravensburg):

Montag – Freitag: 8.00 – 17.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen durch die Ausstellung erhalten Interessierte bei der Rechtsanwaltskammer Tübingen unter der Tel.-Nr.: 0751 / 362 26–14 (Rechtsanwalt Ekkehart Schäfer).

Weitere Hinweise:

Im Anschluss an Ravensburg folgen als 10. und 11. Stationen:

  • Hannover 17. Januar 2002 – 22. Februar 2002 Landgericht Hannover
  • Stuttgart 26. Februar 2002 – 28. März 2002 Amtsgericht Stuttgart


An Stuttgart anschließend sind weitere deutsche Städte vorgesehen (u.a. Erfurt, Potsdam, Bamberg, Karlsruhe, Bonn, Hamburg, Köln, Kiel, Mainz und Zweibrücken), in denen die Wanderausstellung voraussichtlich bis Mitte des Jahres 2003 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch die Vorbereitungen.

Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht – das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone Ladwig-Winters aus Berlin, die die Ausstellung konzeptioniert und koordiniert hat. Das Buch ist im be.bra-Verlag erschienen und im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3–930863–41–3 erhältlich (Verkaufspreis 59,90 DM).

Desweiteren besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht werden neben exemplarischen Bildern, Exponaten und Texten u.a. ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung sowie die bevorstehenden Ausstellungsorte und –termine einschließlich der jeweiligen Anfahrtsbeschreibungen angeboten.

Die Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" wurde ermöglicht und realisiert:

Veranstalter: Deutscher Juristentag e.V. (DJT), Bonn
Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Berlin
mit freundlicher Unterstützung durch den:
Verlag Dr. Otto Schmidt (OVS), Köln
Titel und Gestaltung der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung durch den: be.bra-Verlag, Berlin
Projektleitung: RA Dr. Andreas Nadler (DJT), Bonn
RA Stephan Göcken (BRAK), Berlin
Konzeption, Koordination, Recherche u. Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters, Berlin
Koordination der Ausstellungswanderung: APEX - Anja Ostermann, Gevelsberg
Grafische Gestaltung (Ausstellung / Print): Hauke Sturm, Berlin
Webdesign: Tom-E-Design – Tom Weber, Bergisch Gladbach
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar
Regionale Veranstalter in Ravensburg: Rechtsanwaltskammer Tübingen
mit freundlicher Unterstützung durch den: Präsidenten des Landgerichts Ravensburg
Projektleitung für die Ausstellung in Ravensbg.: RA Ekkehart Schäfer (Präsident der RAK Tübingen), Ravensburg
Berlin / Bonn / Ravensburg, den 9. November 2001 · Text ca. 145 Zeilen zu 50 Anschlägen

Ansprechpartner für Rückfragen und nähere Informationen zur bundesweiten Wanderausstellung:
Rechtsanwalt Stephan Göcken, Bundesrechtsanwaltskammer-Geschäftsführer für Öffentlichkeitsarbeit
Littenstraße 9 · D - 10179 Berlin · Telefon (0 30) 28 49 39-19 · Telefax (0 30) 28 49 39-11 · E-Mail: [E-Mail-Adresse versteckt]

Ansprechpartner für Rückfragen und nähere Informationen zur Ausstellung in Ravensburg:
Rechtsanwalt Ekkehart Schäfer, Rechtsanwaltskammer Tübingen
Telefon (07 51) 362 26-14 · Telefax (07 51) 362 26-20

Beleg erbeten an: Redaktionsbüro Robert Wieber · Scheurenhof 4 · D - 51789 Lindlar
Telefon (0 22 66) 45 95-04 · Telefax (0 22 66) 45 95-03 · E-Mail: WieberRobi@aol.com


Zum Deutschen Juristentag treffen sich alle zwei Jahre Juristen aller Berufsgruppen, um Empfehlungen für den Gesetzgeber abzugeben. Am 63. DJT in Leipzig (26. bis 29. September 2000) nahmen rund 2.500 Juristen teil.

Die Bundesrechtsanwaltskammer vertritt als Dachorganisation 27 Regionalkammern und die Rechtsanwaltskammer beim Bundesgerichtshof. Diese Kammern vertreten die Gesamtheit von derzeit ca. 115.000 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten in der Bundesrepublik.

Die Rechtsanwaltskammer Tübingen ist die Berufsberatung und Berufsaufsicht der derzeit ca. 1.600 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in den Landgerichtsbezirken Tübingen, Ravensburg, Rottweil und Hechingen.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
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Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
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