Presseinformation Nr. 6 vom 20. Februar 2001

1949 – 1999: „In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz“
16. Station der Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer

Eröffnung in Halle am 20. Februar 2001 durch die Justizministerin des Landes Sachsen-Anhalt Karin Schubert - Ausstellung im Juridicum der Martin-Luther-Uni bis zum 25. April 2001

Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn), Halle. Ab Dienstag, dem 20. Februar 2001, macht die Wanderausstellung „In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz“ bei ihrer ‚Deutschlandtournee’ Station in Halle. Nach der großen Besucherresonanz in der ersten Ausstellungsrunde (mit über 40.000 Besuchern in zehn Städten) wird die Ausstellung weiter fortgesetzt und noch bis Ende 2001 das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes anschaulich machen. Die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung haben gemeinsam und mit Unterstützung der regionalen Rechtsanwaltskammern sowie der Landeszentralen für politische Bildung die Wanderausstellung seit Mai 1999 in mittlerweile 15 deutschen Städten durchgeführt.

Vom 21. Februar bis zum 25. April 2001 wird die Wanderausstellung im Juridicum der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg gezeigt. Kooperationspartner in Halle sind die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt und die Rechtsanwaltskammer des Landes Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Justiz des Landes Sachsen-Anhalt und der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des „Staatsfragments“ Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, „dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben“ (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Der friedlichen Revolution in der DDR und dem Beitritt der neuen Länder zum Grundgesetz ist ein eigener Abschnitt der Ausstellung gewidmet.

Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung „In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz“, soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten 15 Stationen der Wanderausstellung (BVerfG in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), LG in Schwerin, Untere Rathaushalle in Bremen, Landesbibliothek im Kieler Schloss, BAG in Erfurt, Rathaus in Saarbrücken, LG in Ulm, LG in Frankfurt am Main, Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster, OLG Dresden und LG Kassel), besteht nun in Halle vom 21. Februar bis zum 25. April 2001 neun Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Wanderausstellung „In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz“ wird am Dienstag, dem 20. Februar 2001, um 19.00 Uhr (Pressekonferenz und Vorbesichtigung für die Presse am 20. Februar 2001 um 18.00 Uhr im Ausstellungsort Juridicum) im Neuen Theater „Kommode“ (Große Ulrichstraße 51, 06108 Halle) eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Dekan der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Herrn Prof. Dr. Stefan Grundmann, sprechen die Bürgermeisterin der Stadt Halle, Frau Dagmar Szabados, der Präsident der Rechtsanwaltskammer des Landes Sachsen-Anhalt, Herr Rechtsanwalt Dr. Joachim Sattler, und der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Herr Thomas Krüger, kurze Grußworte. Anschließend eröffnet die Ministerin für Justiz des Landes Sachsen-Anhalt, Frau Karin Schubert, die Ausstellung mit einem Festvortrag zum Thema „Demokratie braucht Justiz“. Im Anschluss an die Eröffnung und einen kleinen Empfang besteht für die Gäste Gelegenheit, die Wanderausstellung im Juridicum zu besichtigen.

Vom Mittwoch, dem 21. Februar 2001, bis zum Mittwoch, dem 25. April 2001, ist die Wanderausstellung im Juridicum in Halle für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Juridicum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (Universitätsplatz 5, 06108 Halle):
Montag – Sonntag: 10.00 - 20.00 Uhr

Führungen für Gruppen und insbesondere für Schulklassen durch die Ausstellung finden täglich statt, wobei eine telefonische Voranmeldung erforderlich ist.

Nähere Informationen und die Anmeldungen hierzu über Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt, Frau Jacqueline Jungmann und Frau Nicole Neumann (Tel.: 0391 / 565 34–11).

Im Anschluss an Halle folgt in diesem Jahr als 17. Station: Koblenz 03. Mai 2001 – 16. Juni 2001, Haus Metternich

Das Ende der Wanderausstellung „In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz“ ist für Dezember 2001 geplant, wobei noch die Städte Bonn, Hamburg, Berlin und Karlsruhe (alle unter Vorbehalt) vorgesehen sind.

Aus Anlass der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstel-lungskatalog „In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz“ – herausgegeben von Rechtsanwalt Stephan Detjen – erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist während der Ausstellungsdauer bei der Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt sowie darüber hinaus im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Desweiteren besteht seit Beginn der Wanderausstellung am 29. April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter „http://www.50-jahre-grundgesetz.de“ werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog sowie Filme über die Wanderausstellung angeboten.

Die Wanderausstellung wird bundesweit unterstützt vom AnwaltSuchService und vom DeutschlandRadio.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
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Pressesprecherin

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