Presseinformation Nr. 35 vom 29. November 2007

"Er ist nicht gestorben, er wurde erschlagen"
Buchpräsentation "Anwalt ohne Recht" über das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte nach 1933


Bundesrechtsanwaltskammer/Rechtsanwaltskammer Berlin. In einer bewegenden Rede vor mehr als 200 Besuchern hat gestern abend Judith Klein, 82 Jahre alt, an die Ermordung ihres Vaters, Rechtsanwalt Dr. Heinrich Veit Simon am 18.5.1942 durch die Nazis erinnert. Frau Klein, aus Washington D.C. angereist, sprach auf einer Veranstaltung im Centrum Judaicum, bei der die Bundesrechtsanwaltskammer und die Rechtsanwaltskammer Berlin die beiden Bücher "Anwalt ohne Recht" über das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte nach 1933 präsentierten.
Judith Klein schilderte ihre Erinnerungen: Die Nazis hatten ihrer Mutter mitgeteilt, dass ihr Ehemann in der Haft verstorben sei, ihr aber untersagt, den Sarg zu öffnen. Ihre Mutter habe sich dennoch vergewissern wollen, dass wirklich ihr Mann im Sarg liege. Als sie ihn öffnete, war das Gesicht von Heinrich Veit Simon eingeschlagen.

Zuvor hatte Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, beschrieben, wie sie und ihr Vater, ein prominenter Anwalt in München, in der Reichspogromnacht 1938 durch Warnung eines früheren Mandanten, der dann bei der Gestapo war, der Verfolgung entkamen.

Dr. Hermann Simon, Direktor des Centrum Judaicum hatte zuvor aus den Tagebüchern seines Großvaters, der als jüdischer Anwalt in Berlin nach dem Berufsverbot für alle jüdischen Anwälte verbittert und verarmt starb, zitiert. Dr. Simon würdigte, dass die Anwaltskammern, wenn auch spät, den verfolgten jüdischen Kollegen mit diesen Büchern ein würdiges Andenken bereiten.

Neben der Justizsenatorin, der Kammergerichtspräsidentin und anderen Gerichtspräsidenten nahm auch die Schwedische Botschafterin Ruth Jacoby an der Veranstaltung teil. Ihr Vater war als jüdischer Anwalt in Berlin vor den Nazis geflohen. In einem Brief hatte sie vor wenige Tagen Erkenntnisse über sein Schicksal nachgetragen.

Vor der Abendveranstaltung hatte die Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Berlin, Dr. Margarete v. Galen, einen "Stolperstein" zu Ehren des ermordeten jüdischen Kollegen Dr. Julius Blumenthal vor dessen früherer Kanzlei in der Oranienburger Straße 1 enthüllt. Blumenthal war nach seinem Berufsverbot 1933 Leiter der Rechtsabteilung der jüdischen Gemeinde geworden und dabei als Geisel für eine Deportation anderer Gemeindemitglieder verhaftet worden. Er wurde von den Nazis am 3. Dezember 1942 im KZ Sachsenhausen erschossen.


Berlin, den 29. November 2007

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