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10. Oktober 2000
"Anwalt ohne Recht
Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
Fortsetzung der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages
und der Bundesrechtsanwaltskammer in Leipzig
Eröffnung am 10. Oktober 2000 im Neuen Rathaus in Leipzig
Ausstellung in der "Unteren Wandelhalle" bis zum 30. Oktober
2000
Bundesrechtsanwaltskammer / Deutscher Juristentag e.V., Bonn / Leipzig.
Am Dienstag, dem 10. Oktober 2000, wird in Leipzig die Wanderausstellung
"Anwalt ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte
in Deutschland nach 1933" im Neuen Rathaus eröffnet.
Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer
gemeinsam in Leipzig unter Mitwirkung der Ephraim-Carlebach-Stiftung
Leipzig veranstalten, zeigt auf insgesamt 23 Tafeln, ergänzt
um zahlreiche Originalexponate, das Schicksal von Anwälten
jüdischen Glaubens. Durch die Unterstützung der Ephraim-Carlebach-Stiftung
Leipzig werden dabei auch Schicksale jüdischer Anwälte
aus Leipzig dargestellt.
Nachdem die Ausstellung im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages
in der Glashalle der Leipziger Messe am 27. und 28. September 2000
gezeigt worden ist, wird sie am 10. Oktober 2000 im Neuen Rathaus
in Leipzig eröffnet und kann dort bis zum 30. Oktober 2000
besichtigt werden.
Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer
wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale von NS-Verfolgung
betroffenen Anwälten und Anwältinnen und die diskriminierenden
Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die
Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und
Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren
die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen neuen Einblick
in die zeithistorischen Ereignisse sowie die juristische Sphäre.
Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen
gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten
insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem
inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch
erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand
ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst
sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.
Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland
Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer
Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die
Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen
noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat.
Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab
diesem Zeitpunkt wurden diejenigen, die nach der nationalsozialistischen
Ideologie als Juden galten, für "verzichtbar" gehalten.
Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege
einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch unbekannte
Anwälte porträtiert. Besondere Beachtung wird der regionalen
Situation geschenkt: Welche Bedingungen in Leipzig geherrscht haben,
wird auf gesonderten Tafeln erläutert, die auf den Recherchen
von Rechtsanwalt Hubert Lang von der Ephraim-Carlebach-Stiftung
Leipzig beruhen. Wie überall wurden auch die Leipziger Anwälte
und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen,
weil sie nun nur noch als Juden galten und nicht mehr als
Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch
für unzählige andere.
Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland,
aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie
schrittweise immer weiter entrechtet ab 1941 der Tötungsmaschinerie
ausgeliefert wurden.
Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit,
weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen.
So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch
die Würde, genommen werden sollte.
Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln
den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente
veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte.
Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch
die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue
Einblicke in zeithistorische Ereignisse.
Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen
Ausstellung "Anwalt ohne Recht Das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933", veranstaltet von der
Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge
Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis
zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.
Nun besteht in Leipzig weitere drei Wochen Gelegenheit zur Besichtigung
der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel "Anwalt
ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland
nach 1933" trägt. Diese Ausstellung wird am
Dienstag, dem 10. Oktober 2000 um 11.00 Uhr
in der "Unteren Wandelhalle" im Neuen Rathaus von Leipzig
eröffnet. Die Ansprachen werden (in Vertretung des Oberbürgermeisters
der Stadt Leipzig) Beigeordneter Dr. Georg Girardet, der Präsident
des Deutschen Juristentages e.V. und Präsident des OLG Bamberg
Professor Dr. Reinhard Böttcher, der Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer
Rechtsanwalt und Notar Dr. Bernhard Dombek und die Vorstandsvorsitzende
der Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig Professor Dr. Renate Drucker,
halten. Anschließend führt Dr. Simone Ladwig-Winters,
die die Ausstellung konzeptioniert und koordiniert hat, die Gäste
durch die Ausstellung im Neuen Rathaus von Leipzig.
Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum Montag, dem
30. Oktober 2000, für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Eintritt ist kostenlos.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Neuen Rathaus von Leipzig,
Untere Wandelhalle
(Martin-Luther-Ring 4 6, 04109 Leipzig):
Montag Donnerstag: 7.00 18.00 Uhr
Freitag: 7.00 15.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen
Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen
durch die Ausstellung erhalten Interessierte bei der Geschäftsstelle
des Ortsausschusses für den 63. DJT unter den Telefon-Nummern:
0341 / 49 40282 und 283.
Im Anschluss an Leipzig sind weitere verschiedene deutsche Städte
vorgesehen, in denen die Wanderausstellung voraussichtlich bis zum
Jahr 2002 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch
die Vorbereitungen.
Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer
Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone
Ladwig-Winters aus Berlin. Das Buch ist im be.bra-Verlag erschienen
und im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3930863413
erhältlich (Verkaufspreis 59,90 DM).
Abschließend einige Angaben zu denjenigen, die die Ausstellung
"Anwalt ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte
in Deutschland nach 1933" ermöglicht und realisiert haben:
Veranstalter: Deutscher Juristentag e.V. (DJT), Bonn (Adr. s.u.)
Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Bonn (Adr. s.u.)
unter Mitwirkung der: Ephraim-Carlebach-Stiftung Leipzig
mit freundlicher Unterstützung durch den: Verlag Dr. Otto Schmidt
(OVS), Köln
Projektleitung: Uta Fölster (BRAK), Bonn
RA Stephan Göcken (OVS), Bonn
RA Dr. Andreas Nadler (DJT), Bonn
Konzeption, Koordination, Recherche u. Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters,
Berlin
Grafische Gestaltung: Hauke Sturm, Berlin
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar
Bonn / Leipzig, den 10. Oktober 2000 · Text ca. 145 Zeilen
zu 50 Anschlägen
Ansprechpartnerin für Rückfragen und nähere Informationen:
Uta Fölster, BRAK-Geschäftsführerin ÖA
Telefon (02 28) 91 18 60
Telefax (02 28) 26 15 38
E-Mail: BRAK-Bonn@t-online.de
Beleg erbeten an:
Redaktionsbüro Wieber
Scheurenhof 4
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