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29.01.2001
"Anwalt ohne Recht
Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933
3. Station der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und
der Bundesrechtsanwaltskammer in Heidelberg
Dr. Michel Friedmann (Zentralrat der Juden) bei der Ausstellungseröffnung
und Enthüllung einer Gedenktafel für im Nationalsozialismus
verfolgte Heidelberger Juristen am 29. Januar 2001 um 14.30 Uhr
Ausstellung im Foyer des Landgerichts Heidelberg bis zum 8.
März 2001
Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Deutscher Juristentag e.V.
( Bonn), Heidelberg.
Am Montag, dem 29. Januar 2001, wird in Heidelberg die Wanderausstellung
Anwalt ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte
in Deutschland nach 1933 im Landgericht eröffnet.
Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechts-anwaltskammer
gemeinsam in Heidelberg unter Mitwirkung des Anwalts-vereins
Heidelberg und Richtervereins Heidelberg veranstalten, zeigt
auf rund 20 Tafeln, ergänzt um zahl-reiche Originalexponate,
das Schicksal von Anwälten jüdischen Glaubens. Ebenfalls
am 29. Januar 2001 wird im Landgericht Heidelberg eine Gedenktafel
für die im Nationalsozialismus verfolgten jüdischen Rechtsanwälte,
Richter Staatsanwälte und Notare in Heidelberg enthüllt.
Nachdem die Ausstellung im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages
in der Leipziger Messe am 27. und 28. September 2000 und anschließend
bis zum 30. Oktober 2000 im Neuen Rathaus in Leipzig gezeigt worden
ist, kann sie nun in Heidelberg bis zum 8. März 2001 besichtigt
werden.
Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer
wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale von NS-Verfolgung
betroffenen Anwälten und Anwäl-tinnen und die diskriminierenden
Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die
Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertrei-bung und
Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich.
Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter
einen neuen Einblick in die zeit-historischen Ereignisse sowie die
juristische Sphäre.
Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen
gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten
insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem
inszenierten Boykott am 1. April 1933 mussten sie jedoch
erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufs-stand
ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst
sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.
Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland
Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer
Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die
Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen
noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat.
Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab
diesem Zeitpunkt wurden die-jenigen, die nach der nationalsozialistischen
Ideologie als Juden galten, für verzichtbar gehalten.
Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege
einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch weniger
bekannte Anwälte porträtiert. Wie überall in Deutschland
wurden auch die Heidelberger Anwälte und Anwältinnen aus
ihren Lebenszusammenhängen geris-sen, weil sie nun nur noch
als Juden galten und nicht mehr als Kollegen oder Rechts-vertreter.
Ihr Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere.
Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland,
aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie
schrittweise immer weiter entrechtet ab 1941 der Tötungsmaschinerie
ausgeliefert wurden.
Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit,
weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen.
So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch
die Würde, genommen werden sollte.
Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln
den histori-schen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente
veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte.
Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch
die Fokussierung auf einen Berufs-stand erhalten die Betrachter
neue Einblicke in zeithistorische Ereignisse.
Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen
Ausstellung Anwalt ohne Recht Das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933, veran-staltet von
der Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung Neue Synagoge
Berlin - Centrum Judaicum. Sie war vom 31. November 1998 bis
zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.
Nun besteht in Heidelberg knapp sechs Wochen Gelegenheit zur Besichtigung
der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel Anwalt
ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland
nach 1933 trägt. Die Ausstellung wird zusammen mit der
Enthüllung der Gedenktafel am
Montag, dem 29. Januar 2001, um 14.30 Uhr im Foyer des Heidelberger
Landgerichts eröffnet. Zuvor findet im Landgericht um 14.00
Uhr ein 30-minütiges Pressegespräch mit dem Vizepräsidenten
des Zentralrats der Juden in Deutschland Rechtsanwalt Dr. Michel
Friedmann, MdB, statt. Zur Enthüllung der Gedenktafel und zur
Ausstellungseröffnung wird der 1. Vor-sitzende des Anwaltsvereins
Heidelberg und Präsident der Rechtsanwalts-kammer Karlsruhe
Rechtsanwalt Dr. Jobst Wellensiek eine kurze Rede halten. Anschliessend
folgen ein Grußwort des Präsidenten des LG Heidelberg
Dr. Hans-Gerd von Dücker und eine Ansprache von Rechtsanwalt
Dr. Michel Friedmann insbeson-dere zum Gedenken an die im Nationalsozialismus
verfolgten Heidelberger Juristen. Im Anschluss sprechen der Präsident
der Bundesrechtsanwaltskammer Rechts-anwalt und Notar Dr. Bernhard
Dombek sowie der Präsident des Deutschen Juristentages e.V.
und des OLG Bamberg Professor Dr. Reinhard Böttcher Gruß-worte
zur Wanderausstellung Anwalt ohne Recht.
Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum Donnerstag,
dem 8. März 2001, für die Öffentlichkeit zugäng-lich.
Der Eintritt ist kostenlos.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Landgericht Heidelberg,
Foyer
(Kurfürstenanlage 21, 69115 Heidelberg):
Montag Freitag: 8.00 16.30 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen
Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen
durch die Aus-stellung erhalten Interessierte beim Landgericht Heidelberg
unter der Tel.-Nr.: 06221 / 5912 71 (Frau Jäger, Richterin
am LG) und beim Amtsgericht Heidelberg unter der Tel.-Nr.: 06221
/ 5913 21 (Frau Kaufmann-Granda, Richterin am AG).
Im Anschluss an Heidelberg folgen als 4. und 5. Station:
Darmstadt 14.03. 19.04.2001 LG Darmstadt Bochum 24.04.
15.05.2001 LG Bochum
Im Anschluss an Bochum sind weitere deutsche Städte vorgesehen,
in denen die Wanderausstellung voraussichtlich bis zum Ende des
Jahres 2002 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch
die Vorbereitungen.
Unter dem Titel Anwalt ohne Recht das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933 hat die Rechtsanwaltskammer
Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone
Ladwig-Winters aus Berlin, die Ausstellung konzep-tioniert und koordiniert
hat. Das Buch ist im be.bra-Verlag er-schienen und im Buchhandel
unter der ISBN-Nr. 3930863413 erhältlich
(Verkaufspreis 59,90 DM).
Des weiteren besteht pünktlich zur heutigen Eröffnung
der Wanderausstellung in Heidelberg für interessierte Besucher
die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen
Eindruck von der Wander-ausstellung zu verschaffen. Unter http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht
werden neben exemplarischen Bildern, Exponaten und Texten u.a. ein
virtueller Rundgang durch die Ausstel-lung sowie die bevorstehenden
Ausstellungsorte und termine einschließlich der jeweiligen
Anfahrtsbeschreibungen angeboten.
Berlin / Bonn / Heidelberg, den 29. Januar 2001
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