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23. August 2001
"Anwalt ohne Recht
Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
7. Station der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages
und der Bundesrechtsanwaltskammer in Nürnberg
Eröffnung am 23. August 2001 um 11.00 Uhr
Ausstellung im Oberlandesgericht in Nürnberg
im Rahmen des 1. Europäischen Juristentages bis zum 28. September
2001
Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Deutscher Juristentag e.V.
( Bonn), Nürnberg. Die Präsidenten des Oberlandesgerichts
Nürnberg, Heinz Neusinger, und des Deutschen Juristentages,
Prof. Dr. Reinhard Böttcher sowie Rechtsanwalt Hans Link, Vorstandsmitglied
der Rechtsanwaltskammer Nürnberg, eröffnen heute am 23.
August 2001 um 11.00 Uhr die Wanderausstellung "Anwalt ohne
Recht Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland
nach 1933" im Oberlandesgericht Nürnberg. Die Ausstellung,
die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer
gemeinsam veranstalten, zeigt auf rund 20 Tafeln das Schicksal von
Anwälten jüdischer Herkunft.
Regionale Kooperationspartner in Nürnberg sind die Rechtsanwaltskammer
Nürnberg und das Oberlandesgericht Nürnberg. Nachdem die
Wanderausstellung erstmals im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages
Ende September 2000 in Leipzig (an zwei Standorten) und anschließend
in Heidelberg, Darmstadt, Bochum und Freiburg gezeigt worden ist,
kann sie nun in der 7. Station in Nürnberg im Rahmen des 1.
Europäischen Juristentages (13. bis 15. September 2001 in Nürnberg)
bis zum 28. September 2001 kostenlos besichtigt werden.
Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer
wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale der von NS-Verfolgung
betroffenen Anwälte und Anwältinnen und die diskriminierenden
Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die
Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und
Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren
die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen neuen Einblick
in die zeithistorischen Ereignisse.
Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen
gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten
insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem
inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch
erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand
ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst
sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.
Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland
Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer
Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die
Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen
noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat.
Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab
diesem Zeitpunkt wurden diejenigen, die nach der nationalsozialistischen
Ideologie als Juden galten, für "verzichtbar" gehalten.
Nur vereinzelt ließ der NS-Staat jüdische Anwälte
noch als "Konsulenten" zu. Sie durften ohne Robe,
ab 1941 mit dem gelben Stern am Revers nur eins: Die letzten
Juden vor Gericht vertreten.
Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege
einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch weniger
bekannte Anwälte porträtiert. Wie überall in Deutschland
wurden auch im Oberlandesgerichtsbezirk Nürnberg Anwälte
und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen,
weil sie nun nur noch als Juden galten und nicht mehr als
Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch
für unzählige andere.
Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland,
aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie
schrittweise immer weiter entrechtet ab 1941 der Tötungsmaschinerie
ausgeliefert wurden.
Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit,
weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen.
So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch
die Würde, genommen werden sollte.
Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln
den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente
veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte.
Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch
die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue
Einblicke in zeithistorische Ereignisse.
Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen
Ausstellung "Anwalt ohne Recht Das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933", veranstaltet von der
Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge
Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis
zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.
Nun besteht in Nürnberg sechs Wochen Gelegenheit zur Besichtigung
der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel "Anwalt
ohne Recht Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland
nach 1933" trägt. Die Ausstellung wird am
Donnerstag, dem 23. August 2001, um 11.00 Uhr
im Königssaal des Justizgebäudes in Nürnberg eröffnet.
Die Eröffnungsansprachen werden von den Präsidenten des
Oberlandesgerichts Nürnberg, Herrn Heinz Neusinger, und des
Deutschen Juristentages, Herrn Prof. Dr. Reinhard Böttcher
sowie vom Vorstandsmitglied der Rechtsanwaltskammer Nürnberg,
Herrn Rechtsanwalt Hans Link, gehalten. Im Anschluss an die Eröffnung
und einen kleinen Empfang besteht für die Gäste Gelegenheit,
die Wanderausstellung im Oberlandesgericht zu besichtigen.
Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum Freitag, dem
28. September 2001, für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Eintritt ist kostenlos.
Öffnungszeiten der Ausstellung im Oberlandesgericht in Nürnberg,
1. Etage im Hauptgebäude
(Fürther Straße 110, 90429 Nürnberg):
Montag Freitag: 8.00 16.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen
Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen
durch die Ausstellung erhalten Interessierte bei der Rechtsanwaltskammer
Nürnberg unter der Tel.-Nr. 09 11 / 926 330 oder per
e-Mail RAK.Nbg@t-online.de. und beim Oberlandesgericht Nürnberg
unter der Tel.-Nr. 09 11 / 32125 90 oder per e-Mail Justizpressestelle@OLG-n.bayern.de.
Weitere Hinweise:
Im Anschluss an Nürnberg folgen als 8. und 9. Station:
München 04.10.2001 02.11.2001 Justizpalast München
Ravensburg 09.11.2001 06.01.2002 Landgericht Ravensburg
An Ravensburg anschließend sind weitere deutsche Städte
vorgesehen (u.a. Celle, Stuttgart, Hamburg, Bamberg, Erfurt, Schwerin,
Köln und Mainz), in denen die Wanderausstellung voraussichtlich
bis zum Ende des Jahres 2002 Station machen wird. Hierfür laufen
zur Zeit noch die Vorbereitungen.
Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht das Schicksal jüdischer
Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer
Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone
Ladwig-Winters aus Berlin, die die Ausstellung konzeptioniert und
koordiniert hat. Das Buch ist im be.bra-Verlag erschienen und im
Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3930863413 erhältlich
(Verkaufspreis 59,90 DM).
Des weiteren besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit,
sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der
Wanderausstellung zu verschaffen. Unter http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht
werden neben exemplarischen Bildern, Exponaten und Texten u.a. ein
virtueller Rundgang durch die Ausstellung sowie die bevorstehenden
Ausstellungsorte und termine einschließlich der jeweiligen
Anfahrtsbeschreibungen angeboten.
Die Ausstellung "Anwalt ohne Recht Schicksale jüdischer
Anwälte in Deutschland nach 1933" wurde ermöglicht
und realisiert:
Veranstalter: Deutscher Juristentag e.V. (DJT), Bonn (Adr. s.u.)
Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Berlin (Adr. s.u.)
mit freundlicher Unterstützung durch den: Verlag Dr. Otto Schmidt
(OVS), Köln
Titel und Gestaltung der Ausstellung mit
freundlicher Genehmigung durch den: be.bra-Verlag, Berlin
Projektleitung: RA Dr. Andreas Nadler (DJT), Bonn
RA Stephan Göcken (BRAK), Berlin
Konzeption, Koordination, Recherche u. Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters,
Berlin
Koordination der Ausstellungswanderung: APEX - Anja Ostermann, Gevelsberg
Grafische Gestaltung (Ausstellung / Print): Hauke Sturm, Berlin
Webdesign: Tom-E-Design Tom Weber, Bergisch Gladbach
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar
Regionale Veranstalter in Nürnberg: Rechtsanwaltskammer Nürnberg
Oberlandesgericht Nürnberg.
Berlin / Bonn / Nürnberg, den 23. August 2001 · Text
ca. 170 Zeilen zu 50 Anschlägen
Ansprechpartner für Rückfragen und nähere Informationen:
Rechtsanwalt Stephan Göcken, Bundesrechtsanwaltskammer-Geschäftsführer
für Öffentlichkeitsarbeit, Littenstraße 9 ·
D - 10179 Berlin
Telefon (0 30) 28 49 39-19 · Telefax (0 30) 28 49 39-11 ·
E-Mail: zentrale@brak.de
Beleg erbeten an: Redaktionsbüro Robert Wieber, Scheurenhof
4 · D - 51789 Lindlar
Telefon (0 22 66) 45 95-04 · Telefax (0 22 66) 45 95-03 ·
E-Mail: WieberRobi@aol.com
Zum Deutschen Juristentag treffen sich alle zwei Jahre Juristen
aller Berufsgruppen, um Empfehlungen für den Gesetzgeber abzugeben.
Am 63. DJT in Leipzig (26. bis 29. September 2000) nahmen rund 2.500
Juristen teil.
Die Bundesrechtsanwaltskammer vertritt als Dachorganisation 27 Regionalkammern
und die Rechtsanwaltskammer beim Bundesgerichtshof. Diese Kammern
vertreten die Gesamtheit von derzeit ca. 114.000 Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälten in der Bundesrepublik.
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