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Nr. 17 vom 17. Mai 2006Bundesrechtsanwaltskammer:
Deutsche sind keine Prozesshanseln Anwaltschaft gegen weitere Einschränkungen
im RechtsmittelrechtBundesrechtsanwaltskammer, Berlin. Anlässlich
des heute vom Bundesjustizministerium vorgestellten Abschlussberichts zur Evaluation
der ZPO-Reform kritisierte die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) erneut die tiefen
Einschnitte, die für Rechtsuchende mit der im Jahr 2002 in Kraft getretenen
Reform verbunden sind. "Zwar ist beispielsweise die Zahl der Berufungsverfahren
erheblich zurückgegangen, dies ist jedoch nur ein vermeintlicher Erfolg",
so der Pressesprecher und Vizepräsident der BRAK Dr. Ulrich Scharf. "Bereits
vor In-Kraft-Treten der neuen ZPO war die Rechtsmittelquote auf einem sehr niedrigen
Stand. Die Tatsache, dass sie jetzt noch weiter gesunken ist, zeigt nur, dass
hier in die Möglichkeit für den Bürger, erstinstanzliche Urteile
nochmals überprüfen zu lassen, unangemessen eingegriffen wurde",
erläuterte er. "Da sich dabei die Verfahrenslaufzeiten insgesamt nicht
verändert haben, bedeutet das für den Einzelnen eine Verschlechterung
seiner Rechtsposition und kann im Einzelfall zu ungerechten Ergebnissen führen.
Die eigentlich geplante Verstärkung der ersten Instanz hat in der Praxis
nicht stattgefunden", so Scharf. Die BRAK ist der Ansicht, dass die
selbst gesteckten Ziele der Reform weit verfehlt wurden: Die damalige Bundesjustizministerin
Herta Däubler-Gmelin strebte mit der Reform mehr Akzeptanz und mehr Transparenz
im gerichtlichen Verfahren an. Wenn aber durch die Neuregelungen jetzt beispielsweise
die Berufungen sogar ohne mündliche Verhandlung zurückgewiesen werden
kann, dürfe dies wohl kaum zu mehr Transparenz, geschweige denn Akzeptanz
führen. "Unser Rechtssystem baut unter anderem auf der Überprüfbarkeit
von gerichtlichen Entscheidungen auf. Nur so kann dem Bürger vermittelt werden,
dass für sein Problem eine interessengerechte Lösung gefunden wird.
Die Auswertung hat überraschenderweise gezeigt, dass die Zahl der Zivilprozesse
nicht "wie prognostiziert" gestiegen, sondern erheblich gesunken ist.
Das wiederlegt auch die These vom streitsüchtigen Prozesshansel", erklärt
Scharf. Daher darf es auf keinen Fall zusätzliche Einschnitte in die
zivilprozessualen Rechte der Bürger geben, fordert die BRAK. Jeder Schritt
weiter wäre ein Schritt zuviel.
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