Presseinformation Nr. 26 vom 25. 09. 1999

Neuwahl des Präsidiums der Bundesrechtsanwaltskammer
Präsident Dr. Haas beendet seine Amtszeit

Bundesrechtsanwaltskammer, Bonn. Am 25. September 1999 fand in Karlsruhe die 86. Hauptversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer statt, und sie hat das Präsidium der Bundesrechtsanwaltskammer neu gewählt. Der bisherige Präsident, Rechtsanwalt und Notar Dr. Eberhard Haas, stellte sich nach achtjähriger Amtszeit nicht mehr zur Wahl.
Dr. Haas war am 20. September 1991 mit großer Mehrheit von der Hauptversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer in Mainz in das Präsidentenamt gewählt worden.

Der 1935 in Tokio geborene Diplomatensohn studierte nach seinem Abitur von 1954 bis 1958 Rechts- und Staatswissenschaften in London, Freiburg und Bonn. 1958 legte er die erste juristische Staatsprüfung in Bonn ab. Seit 1962 ist Dr. Eberhard Haas, der mit einer Bremer Anwaltstochter verheiratet und Vater von drei Söhnen ist, als Rechtsanwalt und seit 1970 auch als Notar in Bremen tätig. Zu seinen Schwerpunkten gehören das Gesellschafts- und das Erbrecht.
Sein berufspolitisches Wirken für die Anwaltschaft begann bereits lange vor seiner Amtszeit als Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. Schon 1972 wurde Dr. Haas in den Vorstand der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer Bremen gewählt, deren Präsident er 1980 wurde; das Amt behielt er bis 1992. Von 1975 bis 1984 war er zudem Mitglied des Ausbildungsausschusses des Deutschen Anwaltvereins.

Von 1983 bis 1991 war er Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer. In seinem anschließenden Amt als deren Präsident setzte sich Dr. Haas für die schnelle Verabschiedung einer Berufsordnung für Rechtsanwälte und einer Fachanwaltsordnung ein, in der das anwaltliche Berufsrecht neu geordnet werden sollte, was ihm als Vorsitzenden der Satzungsversammlung Ende 1996 gelang. Damit erreichte er auch eine stärkere Anbindung der deutschen Anwälte an die europäischen Kollegen durch die Integration der Standesregeln des Rates der Europäischen Anwaltschaften (CCBE).

Ebenfalls in seiner Amtszeit wurde die Geschäftsstelle der Bundesrechtsanwaltskammer in Brüssel eingerichtet und zu einer Bürogemeinschaft mit den britischen (1996), den österreichischen und italienischen Standesvertretungen (1997) sowie der Europäischen Rechtsakademie ‘ERA’ (1998) erweitert.

Dr. Haas setzte sich ein für die Gleichbehandlung der Anwaltschaft in Ost und West, insbesondere für die Abschaffung des Gebührenabschlags in den neuen Bundesländern. Neue Gesetzesvorhaben, wie z.B. die geplante Rechtsmittelreform, wurden von Dr. Haas gerade mit Blick auf die Konsequenzen für den rechtsuchenden Bürger kritisch hinterfragt. Einschränkungen der Grundrechte zu Lasten der rechtsuchenden Bürger hinzunehmen, war Dr. Haas niemals bereit, was ihm insbesondere bei der Bekämpfung des sogenannten Großen Lauschangriffs auf geschützte Vertrauensverhältnisse erfolgreich gelungen ist.

Auch längst überfällige Reformen hat er mit Nachdruck angemahnt, speziell die Übertragung des Zulassungsverfahrens auf die Anwaltschaft, die für ihn ein notwendig gewordener Schritt hin zur Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit der Anwaltschaft vom Staat war und von ihm in den letzten beiden Jahren auch durchgesetzt werden konnte.

Ebenfalls in der nach wie vor aktuellen Diskussion zur Juristenausbildung hat sich Dr. Haas stets zu Wort gemeldet und dabei ausdrücklich nicht vor dem Jurastudium gewarnt aber, eine grundlegende Reform der Juristenausbildung angemahnt und eine bessere Vorbereitung auf den Anwaltsberuf gefordert.

Als besondere Aufgabe des Anwalts sieht der ausscheidende Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer, sich in einem demokratischen Rechtsstaat nicht nur für den einzelnen Mandanten sondern auch für die Interessen der Gemeinschaft einzusetzen. Anläßlich der Eröffnung der Wanderausstellung "In bester Verfassung?! - 50 Jahre Grundgesetz" im Mai dieses Jahres im Bundesverfassungsgericht formulierte er deshalb die Forderung, daß das Recht des Mandanten auf anwaltlichen Beistand im Grundgesetz verankert werden müsse.

Diese Überzeugung wird er auch mit der Abgabe seines Präsidentenamtes nicht aufgeben. Im Rahmen eines Festaktes anläßlich der Jubiläumsfeier "40 Jahre Bundesrechtsanwaltskammer" wird Dr. Haas am 1. Oktober 1999 in Berlin offiziell verabschiedet und sein Nachfolger in das Amt eingeführt werden.


Bonn, den 25. September 1999

 

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