Presseinformation Nr. 19 vom 25. Juni 2001

1949 – 1999: "In bester Verfassung ?! 50 Jahre Grundgesetz"
18. Station der Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und der Bundesrechtsanwaltskammer

Eröffnung in Bonn am 25. Juni 2001 durch die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn Bärbel Dieckmann

Ausstellung in der Alten Wagenhalle bis zum 24. Juli 2001

Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Bundeszentrale für politische Bildung (Bonn), Bonn. Ab Montag, dem 25. Juni 2001, macht die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" bei ihrer ’Deutschlandtournee’ Station in Bonn. Nach der großen Besucherresonanz in der ersten Ausstellungsrunde (mit über 40.000 Besuchern in zehn Städten) wird die Ausstellung seit Juni 2000 weiter fortgesetzt und noch bis Ende 2001 das Jubiläum des deutschen Grundgesetzes anschaulich machen. Die Bundesrechtsanwaltskammer und die Bundeszentrale für politische Bildung haben gemeinsam und mit Unterstützung der regionalen Rechtsanwaltskammern sowie der Landeszentralen für politische Bildung die Wanderausstellung seit Mai 1999 in mittlerweile 17 deutschen Städten durchgeführt.

Vom 26. Juni bis zum 24. Juli 2001 wird die Wanderausstellung in der Alte Wagenhalle in Bonn gezeigt. Kooperationspartner in Bonn sind auch gleichzeitig die Veranstalter: die Bundeszentrale für politische Bildung und die Bundesrechtsanwaltskammer in Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn.

Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Grundgesetzes: Beginnend beim Staatsgründungsauftrag der Besatzungsmächte über die ehrgeizige Arbeit des Parlamentarischen Rats bis hin zu den Bewährungsproben, die die junge Demokratie in den darauffolgenden Jahrzehnten zu bestehen hatte. Die Spiegelaffäre, die Notstandsdebatte und die Terrorismuskrise seien als Beispiele genannt.

Am 23. Mai 1999 jährte sich zum 50. Mal die Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes. 1949 wurde es als Verfassung des "Staatsfragments" Bundesrepublik Deutschland geschaffen, das auf einem Teil des zerstörten und besetzten Deutschlands errichtet worden war. Ursprünglich dafür gedacht, "dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine Ordnung zu geben" (so die Präambel des Grundgesetzes bis 1990), hat sich das Grundgesetz in den 40 Jahren der deutschen Teilung ebenso bewährt wie beim 1989 begonnenen Prozess der Wiedervereinigung. Heute ist keine Rede mehr davon, das Grundgesetz durch eine neue Verfassung zu ersetzen. Demokratische Verfassungen in aller Welt orientieren sich an seinem Vorbild.

Auch zeichnet die Ausstellung das wechselhafte Verhältnis der Bundesrepublik zum anderen Teil Deutschlands nach: Das anfängliche Beharren auf dem Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik gegenüber der DDR, das sich im Streit um die Wiederbewaffnung manifestierte, spielte sich ebenso vor dem Wiedervereinigungsgebot im Grundgesetz ab wie die Normalisierung der deutsch-deutschen Nachbarschaft durch den Grundlagenvertrag 1972 und die Wiedervereinigung selbst im Jahr 1990. Der friedlichen Revolution in der DDR und dem Beitritt der neuen Länder zum Grundgesetz ist ein eigener Abschnitt der Ausstellung gewidmet.

Gleichzeitig ist die Geschichte des Grundgesetzes in Teilen auch die Geschichte der europäischen Einigung: Das Grundgesetz hat von Anfang an die Grundlagen dafür gelegt, dass das vereinte Europa Wirklichkeit werden konnte.

Es wird in der Ausstellung deutlich, dass das Grundgesetz von Menschen für Menschen gemacht wurde. Einzelne Personen, die in der Geschichte des Grundgesetzes auf beispielhafte Weise ihre Spuren hinterlassen haben, werden auf Biographiesäulen porträtiert – Männer und Frauen, die in politischen Funktionen, als Anwälte oder als einfache Bürger auf das Verfassungsleben der Bundesrepublik einwirkten, was auch die rund 50 Grundgesetzänderungen in 50 Jahren belegen.

Nicht nur der Entwicklungsprozess, auch die Inhalte des Grundgesetzes werden vorgestellt. Dabei wird auf schematische und trockene Schaubilder verzichtet. Am konkreten Beispiel lässt sich am besten zeigen, was im Grundgesetz eigentlich steht: Anhand der Gründung der Staatsorgane 1949 wird erkennbar, wie das Grundgesetz den Aufbau des Staates regelt. In vier gesonderten Themenblöcken werden Einzelaspekte der Verfassung – die Rolle des Bundesverfassungsgerichts, die Bundesstaatlichkeit, die Gleichberechtigung der Frau und die deutsche Einheit – greifbar und nachvollziehbar gemacht. Wichtige Grundrechte und Verfassungsprinzipien finden sich als Zitate überall in der Ausstellung.

Insgesamt wird die Geschichte des Grundgesetzes als Erfolgsgeschichte gewürdigt. Dabei war und ist das Grundgesetz immer wieder auch Gefährdungen ausgesetzt. Die Verfassung und insbesondere die Grundrechte bedürfen eines effektiven Schutzes. Das gilt auch für das Handeln des Staates und seiner Organe selbst. Die Ausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz", soll außerdem vermitteln, dass es sich beim Grundgesetz nicht um einen statischen Text handelt, der für alle Ewigkeit festgeschrieben wäre, sondern um einen in ständiger Weiterentwicklung befindlichen und offenen demokratischen Prozess.

So lassen sich auf dem Boden des Grundgesetzes auch widersprüchliche Positionen vertreten und diskutieren. Das Grundgesetz und seine Ausgestaltung bedürfen der kontroversen Diskussion. Gleichzeitig ermöglicht es das Grundgesetz, in einer pluralistischen Gesellschaft unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen, politische Überzeugungen und wirtschaftliche Aktivitäten auf dem gemeinsamen Fundament der Verfassung zu vereinbaren.

Nach den ersten 17 Stationen der Wanderausstellung (BVerfG in Karlsruhe, Justizpalast in München, Verwaltungsgericht in Köln, Landesmuseum / Schloss in Oldenburg, Marienkirche in Frankfurt (Oder), LG in Schwerin, Untere Rathaushalle in Bremen, Landesbibliothek im Kieler Schloss, BAG in Erfurt, Rathaus in Saarbrücken, LG in Ulm, LG in Frankfurt am Main, Landeshaus des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in Münster, OLG Dresden, LG Kassel, Juridicum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg du Haus Metternich in Koblenz) besteht nun in Bonn vom 26. Juni bis zum 24. Juli 2001 vier Wochen lang Gelegenheit zur Besichtigung.

Die Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" wird am Montag, dem 25. Juni 2001, um 11.00 Uhr in der Alten Wagenhalle in Bonn feierlich eröffnet. Nach den Grußworten durch den Präsidenten der Bundesrechtsanwaltskammer, Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Bernhard Dombek, und den Präsidenten der Bundeszentrale für politische Bildung, Herrn Thomas Krüger, eröffnet die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn, Frau Bärbel Dieckmann, die Ausstellung. Anschließend hält der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz, eine Festansprache zu "50 Jahren Grundgesetz", bevor die Gäste Gelegenheit bekommen, an einer kurzen Führung durch die Wanderausstellung in der Alten Wagenhalle teilzunehmen.

Vom Dienstag, dem 26. Juni 2001, bis zum Dienstag, dem 24. Juli 2001, ist die Wanderausstellung in der Alten Wagenhalle in Bonn für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung in der Alten Wagenhalle in Bonn (Graurheindorfer Straße 157, 53117 Bonn):
Montag – Freitag: 10.00 - 17.00 Uhr / Samstag und Sonntag: geschlossen

Das Ende der Wanderausstellung "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" ist für Dezember 2001 geplant, wobei noch die Städte Hamburg, Berlin und Karlsruhe (alle unter Vorbehalt) vorgesehen sind.

Aus Anlass der Wanderausstellung ist im Verlag Dr. Otto Schmidt der Ausstellungskatalog "In bester Verfassung?! 50 Jahre Grundgesetz" – herausgegeben von Rechtsanwalt Stephan Detjen – erschienen. Er enthält neben einer ausführlichen ausstellungsbegleitenden Dokumentation auch Beiträge u.a. von Jutta Limbach, Joachim Gauck und Ernst Gottfried Mahrenholz. Der Katalog ist während der Ausstellungsdauer im Haus Metternich sowie darüber hinaus im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3-504-10003-6 erhältlich (Verkaufspreis 24,80 DM).

Desweiteren besteht seit Beginn der Wanderausstellung am 29. April 1999 für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter "http://www.50-jahre-grundgesetz.de" werden neben exemplarischen Bildern und Texten u.a. der Inhaltsüberblick zu dem Ausstellungskatalog, Filme über die Ausstellung sowie Anfahrtsbeschreibungen zu den jeweiligen Ausstellungsorten angeboten.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
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