Presseinformation Nr. 27 vom 04. Oktober 2001

"Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933"
8. Station der Wanderausstellung des Deutschen Juristentages und der Bundesrechtsanwaltskammer in München

Eröffnung am 4. Oktober 2001 um 12.30 Uhr

Ausstellung im Justizpalast München bis zum 2. November 2001
Bundesrechtsanwaltskammer (Berlin) / Deutscher Juristentag e.V. ( Bonn), München. Die Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk München eröffnet heute um 12.30 Uhr die Wanderausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" im Justizpalast München. Die Ausstellung, die der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer veranstalten, zeigt auf rund 30 Tafeln das Schicksal von Anwälten jüdischer Herkunft.

Regionaler Kooperationspartner in München ist die Rechtsanwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk München mit freundlicher Unterstützung durch die Präsidentin des Oberlandesgerichts München. Nachdem die Wanderausstellung erstmals im Rahmen des 63. Deutschen Juristentages Ende September 2000 in Leipzig (an zwei Standorten) und anschließend in Heidelberg, Darmstadt, Bochum, Freiburg und Nürnberg (im Rahmen des 1. Europäischen Juristentages) gezeigt worden ist, kann sie nun in der 8. Station in München bis zum 2. November 2001 kostenlos besichtigt werden.

Der Deutsche Juristentag e.V. und die Bundesrechtsanwaltskammer wollen mit dieser Ausstellung an die Schicksale der von NS-Verfolgung betroffenen Anwälte und Anwältinnen und die diskriminierenden Maßnahmen erinnern, unter denen sie zu leiden hatten. Die Ausstellung macht den Verlust, den Ausgrenzung, Vertreibung und Mord bewirkt haben, beklemmend deutlich. Gleichzeitig gewähren die verschiedenen Lebensbilder dem Betrachter einen neuen Einblick in die zeithistorischen Ereignisse.

Als Ende März 1933 die Nationalsozialisten gezielte Aktionen gegen jüdische Rechtsanwälte ankündigten, schenkten insbesondere die Betroffenen selbst dem kaum Beachtung. Mit dem inszenierten "Boykott" am 1. April 1933 mussten sie jedoch erkennen, dass sie einzeln angegriffen und aus dem gewachsenen Berufsstand ausgegrenzt werden sollten - gleichgültig wie sie sich selbst sahen und welche Leistungen sie für Deutschland erbracht hatten.

Von den 19.276 Anwälten und Anwältinnen in Deutschland Anfang 1933 waren ca. 4.000, also rund ein Fünftel, jüdischer Herkunft. Einem großen Teil von ihnen wurde schon 1933 die Zulassung entzogen. Mit Ausnahmeregelungen durften die übrigen noch weiterarbeiten, doch zumeist entzog man ihnen das Notariat. Das allgemeine Berufsverbot erging dann am 30. November 1938. Ab diesem Zeitpunkt wurden diejenigen, die nach der nationalsozialistischen Ideologie als Juden galten, für "verzichtbar" gehalten.

Die Ausstellung veranschaulicht anhand von Schautafeln die Lebenswege einzelner Anwälte. Es werden prominente, aber auch weniger bekannte Anwälte porträtiert. Wie überall in Deutschland wurden auch im Oberlandesgerichtsbezirk München Anwälte und Anwältinnen aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen, weil sie nun nur noch als Juden galten – und nicht mehr als Kollegen oder Rechtsvertreter. Ihr Schicksal steht exemplarisch für unzählige andere.
Vielen jüdischen Anwälten gelang die Flucht ins Ausland, aber eine erhebliche Anzahl blieb in Deutschland, wo sie – schrittweise immer weiter entrechtet – ab 1941 der Tötungsmaschinerie ausgeliefert wurden.

Die Einzelbiographien vermitteln einen Eindruck der Persönlichkeit, weil sie den Ausgegrenzten in den Mittelpunkt der Betrachtung stellen. So wird ein Leben in Würde gespiegelt, als ihnen alles, auch die Würde, genommen werden sollte.

Neben diesen biographischen Darstellungen vermitteln Übersichtstafeln den historischen Rahmen. Verschiedene, zum Teil einmalige Dokumente veranschaulichen die Etappen, in denen die Ausgrenzung erfolgte. Namen und Schicksale werden somit vor dem Vergessen gerettet, durch die Fokussierung auf einen Berufsstand erhalten die Betrachter neue Einblicke in zeithistorische Ereignisse.

Die Wanderausstellung basiert auf der regional auf Berlin bezogenen Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933", veranstaltet von der Rechtsanwaltskammer Berlin und der Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum". Sie war vom 31. November 1998 bis zum 28. Februar 1999 im Centrum Judaicum ausgestellt.

Nun besteht in München vier Wochen Gelegenheit zur Besichtigung der überarbeiteten Ausstellung, die jetzt den Titel "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" trägt. Die Ausstellung wird am Donnerstag, dem 4. Oktober 2001, um 12.30 Uhr im Konferenzsaal 270 des Justizpalastes in München eröffnet.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten der Rechtsanwaltskammer des Oberlandesgerichts München, Herrn Rechtsanwalt Dr. Jürgen F. Ernst, eröffnet der Bayerische Staatsminister der Justiz, Herr Dr. Manfred Weiß, die Ausstellung. Anschließend folgen ein Grußwort der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Frau Charlotte Knobloch, sowie eine Eröffnungsrede der Historikerin Frau Dr. Simone Ladwig-Winters, die die Wanderausstellung konzeptioniert und mitkoordiniert hat. Im Anschluss an die Eröffnung besteht für die Gäste Gelegenheit, während eines kleinen Empfangs die Wanderausstellung im Lichthof des Justizpalastes zu besichtigen.

Nach der Eröffnung ist die Ausstellung bis zum Freitag, dem 2. November 2001, für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist kostenlos.

Öffnungszeiten der Ausstellung im Justizpalast München, Lichthof (Prielmayerstraße 7, 80333 München):

Montag – Donnerstag: 8.00 – 17.00 Uhr
Freitag: 8.00 – 16.00 Uhr
Samstag / Sonntag: geschlossen

Weitere Einzelheiten und Informationen zu Gruppenführungen durch die Ausstellung erhalten Interessierte bei der Rechtsanwaltskammer des Oberlandesgerichts München unter der Tel.-Nr.: 089 / 53 29 44–40 (Rechtsanwalt Florian Draf) und per e-Mail rak.muenchen@datevnet.de.

Darüber hinaus findet am 20. Oktober 2001 die dritte "Lange Nacht der Münchner Museen" statt, aus deren Anlass im Justizpalast den anwaltlichen Opfern des Naziregimes gedacht wird. Zur Ergänzung der Ausstellung lesen ab 20.00 Uhr Rechtsanwälte aus Werken vor, die sich mit den historischen Ereignissen auseinandersetzen und persönliche Schicksale beschreiben (siehe Prospekt "Die Lange Nacht der Münchner Museen", Seite 30).

Weitere Hinweise:

Der für die Regionaltafeln in München verantwortliche Historiker Dr. Reinhard Weber freut sich über weitere Informationen über die betroffenen Anwälte seitens der Austellungsbesucher (Anschrift siehe unter "Lokale Recherche" auf Seite 5).

Im Anschluss an München folgen als 9. und 10. Stationen:

  • Ravensburg 09. November 2001 – 06. Januar 2002 Landgericht Ravensburg
  • Hannover 17. Januar 2002 – 22. Februar 2002 Landgericht Hannover


An Hannover anschließend sind weitere deutsche Städte vorgesehen (u.a. Stuttgart, Erfurt, Potsdam, Bamberg, Karlsruhe, Hamburg, Köln und Mainz), in denen die Wanderausstellung voraussichtlich bis zum Anfang des Jahres 2003 Station machen wird. Hierfür laufen zur Zeit noch die Vorbereitungen.

Unter dem Titel "Anwalt ohne Recht – das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933" hat die Rechtsanwaltskammer Berlin 1998 ein Buch herausgegeben. Die Autorin ist Frau Dr. Simone Ladwig-Winters aus Berlin, die die Ausstellung konzeptioniert und koordiniert hat. Das Buch ist im be.bra-Verlag erschienen und im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 3–930863–41–3 erhältlich (Verkaufspreis 59,90 DM).

Desweiteren besteht für interessierte Besucher die Möglichkeit, sich bereits vorab im Internet einen virtuellen Eindruck von der Wanderausstellung zu verschaffen. Unter http://www.brak.de/anwalt-ohne-recht werden neben exemplarischen Bildern, Exponaten und Texten u.a. ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung sowie die bevorstehenden Ausstellungsorte und –termine einschließlich der jeweiligen Anfahrtsbeschreibungen angeboten.

Die Ausstellung "Anwalt ohne Recht – Schicksale jüdischer Anwälte in Deutschland nach 1933" wurde ermöglicht und realisiert:

Veranstalter: Deutscher Juristentag e.V. (DJT), Bonn (Adr. s.u.)
Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK), Berlin (Adr. s.u.)
mit freundlicher Unterstützung durch den: Verlag Dr. Otto Schmidt (OVS), Köln
Titel und Gestaltung der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung durch den: be.bra-Verlag, Berlin
Projektleitung: RA Dr. Andreas Nadler (DJT), Bonn
RA Stephan Göcken (BRAK), Berlin
Konzeption, Koordination, Recherche u. Texte: Dr. Simone Ladwig-Winters, Berlin
Koordination der Ausstellungswanderung: APEX - Anja Ostermann, Gevelsberg
Grafische Gestaltung (Ausstellung / Print): Hauke Sturm, Berlin
Webdesign: Tom-E-Design – Tom Weber, Bergisch Gladbach
Pressearbeit: Redaktionsbüro Robert Wieber, Lindlar
Regionale Veranstalter in München: Rechtsanwaltskammer für den OLG-Bezirk München
Projektleitung für die Ausstellung in München: RA Florian Draf (RAK München), München
mit freundlicher Unterstützung durch die: Präsidentin des Oberlandesgerichts München
Lokale Recherche, Aufarbeitung und Dr. Reinhard Weber, Historiker, Am Schnepfenweg 68,
Texte für München: 80995 München, Telefon (0 89) 150 37 31
Berlin / Bonn / München, den 4. Oktober 2001 · Text ca. 180 Zeilen zu 50 Anschlägen

Ansprechpartner für Rückfragen und nähere Informationen zur bundesweiten Wanderausstellung:
Rechtsanwalt Stephan Göcken, Bundesrechtsanwaltskammer-Geschäftsführer für Öffentlichkeitsarbeit
Littenstraße 9 · D - 10179 Berlin · Telefon (0 30) 28 49 39-19 · Telefax (0 30) 28 49 39-11 · E-Mail: [E-Mail-Adresse versteckt]

Ansprechpartner für Rückfragen und nähere Informationen zur Ausstellung in München:
Rechtsanwalt Florian Draf, Rechtsanwaltskammer für den OLG-Bezirk München
Landwehrstraße 61 · D – 80336 München
Telefon (0 89) 53 29 44-40 · Telefax (0 89) 53 29 44-33 · E-Mail: rak.muenchen@datevnet.de

Beleg erbeten an: Redaktionsbüro Robert Wieber · Scheurenhof 4 · D - 51789 Lindlar
Telefon (0 22 66) 45 95-04 · Telefax (0 22 66) 45 95-03 · E-Mail: WieberRobi@aol.com

Zum Deutschen Juristentag treffen sich alle zwei Jahre Juristen aller Berufsgruppen, um Empfehlungen für den Gesetzgeber abzugeben. Am 63. DJT in Leipzig (26. bis 29. September 2000) nahmen rund 2.500 Juristen teil.

 

Pressekontakt

Rechtsanwältin Stephanie Beyrich
Geschäftsführerin
Pressesprecherin

Bundesrechtsanwaltskammer
Littenstr. 9
10179 Berlin
Tel. 030.28 49 39 - 0
Fax 030.28 49 39 -11
Mail [E-Mail-Adresse versteckt]

 
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