Presseinformation Nr. 27 vom 01. August 2002

Anwälte: Start in das Berufsleben schwieriger denn je

Bundesrechtsanwaltskammer, Berlin. Jungen Anwältinnen und Anwälten fällt der Einstieg in das anwaltliche Berufsleben zunehmend schwerer. Dies ist das Ergebnis einer Analyse der Bundesrechtsanwaltskammer, die Daten der regionalen Rechtsanwaltskammern, des Bundesjustizministeriums und des Statistischen Bundesamtes zur Zahl der Jurastudenten, Referendare und Rechtsanwälte für das Jahr 2001 ausgewertet hat.

"Wir haben festgestellt, dass nahezu 15 % unserer Berufsanfänger im Jahre 2001 den Anwaltsberuf wieder aufgeben haben", erklärt der Präsident der BRAK, Dr. Bernhard Dombek. 1.117 Anwältinnen und Anwälte im Alter zwischen 27 bis 39 Jahren im Jahr 2001 ihre Zulassung freiwillig wieder zurückgegeben. "Dies ist gemessen an den Neuzulassungen von 8.339 Anwälten eine außerordentlich hohe Zahl," so der Präsident der BRAK und erläutert: "Wir gehen davon aus, dass der Anwaltsberuf deshalb aufgegeben wird, weil die betroffenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte keinen Erfolg in ihrem Beruf hatten. Diese Zahlen zeigen in jedem Fall, dass auf den Berufsanfängern ein erheblicher Druck lastet".

Nach Auffassung des Präsidenten der BRAK ist diese Entwicklung wenig verwunderlich: Der Zuwachs zum Anwaltsberuf ist seit 1995 konstant hoch. Jährlich kommen ca. 6.000 Anwältinnen und Anwälte hinzu. Da die Ausbildung zum Anwalt ca. 8 bis 9 Jahre dauert, geht die Bundesrechtsanwaltskammer davon aus, dass trotz einer leicht zurückgegangenen Zahl der Studienanfänger in den vergangenen Jahren die Welle der Zulassungen auch in den nächsten Jahren andauern wird.

"Die Luft wird dünner für die Jüngeren. Es hat aber jeder eine Chance, wenn er gut ausgebildet ist. Wir erhoffen uns deshalb sehr viel von der Intensivierung der anwaltsbezogenen Ausbildung mit der Reform der Juristenausbildung, die zum 1.7.2003 in Kraft tritt. Natürlich muss auch das Einkommen stimmen. Wenn junge Anwälte als selbständige Einzelanwälte nur über ein monatliches Nettoeinkommen zwischen 1.800 Euro bis 2.000 Euro verfügen, dann kann dies nicht motivieren. Die durch die Bundesregierung versprochene Gebührenanpassung ist deshalb dringlicher denn je.

 

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