Zusammenarbeit der BRAK mit der Anwaltschaft in Tunesien
In Tunesien kooperiert die BRAK mit der Ordre national des avocats de Tunisie (ONAT), der nationalen Anwaltskammer des Landes. Die Zusammenarbeit wurde 2025 mit der Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding formalisiert und bekräftigt.
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Seit 2018 unterhält die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) eine Kooperation mit der Anwaltskammer Tunesiens (ONAT), die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruht. Ziel dieser Partnerschaft ist es, die Strukturen der anwaltlichen Selbstverwaltung in Tunesien zu stärken, die Unabhängigkeit der Anwaltschaft zu festigen und die Standards des Berufsrechts weiterzuentwickeln. Besonders wichtig ist dabei der Erfahrungsaustausch in Fragen der digitalen Infrastruktur und der elektronischen Kommunikation, etwa wie ein sicheres Anwaltspostfach (analog zum deutschen beA) in Tunesien eingeführt oder optimiert werden kann.
Ein weiterer zentraler Bereich der Zusammenarbeit ist die Fort- und Weiterbildung: Die BRAK unterstützt ihre tunesischen Kolleginnen und Kollegen durch die Bereitstellung von Materialien, Fachwissen und Expertise, z. B. hinsichtlich berufsrechtlicher Standards, Mandantenvertretung und anwaltlicher Berufsethik. Darüber hinaus wird gemeinsam daran gearbeitet, Transparenz und Zugang zur Justiz zu verbessern, insbesondere für vulnerable Gruppen in der Bevölkerung.
Diese Kooperation trägt darüber hinaus dazu bei, den regionalen und internationalen Austausch zu fördern — etwa in Fragen der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte sowie der Rolle der Anwaltschaft in demokratischen Gesellschaften.
beschleunigte Verfahren
Am 10. und 11. April 2026 fand in Kairouan, Tunesien, eine gemeinsame Veranstaltung der tunesischen Anwaltskammer (ONAT), ihrer Zweigstelle in Kairouan sowie der Bundesrechtsanwalts-kammer (BRAK) zum Thema beschleunigte Verfahren statt. Für die BRAK nahm Riad Khalil Hassanain an der Veranstaltung teil und hielt einen Vortrag zu beschleunigten Verfahren im Zivil-, Straf- und Verwaltungsrecht. Ziel der Veranstaltung war ein vertiefter fachlicher Austausch über die verschiedenen Formen beschleunigter Verfahren, insbesondere im Zivilrecht. Insgesamt nahmen rund 120 Anwältinnen und Anwälte aus Kairouan, Monastir und der umliegenden Region teil. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Präsidenten der Zweigstelle der ONAT in Kairouan, einen Vertreter der ONAT, die Präsidenten der Zweigstellen in Sousse, Monastir und Mahdia sowie Rechtsanwalt Riad Khalil Hassanain von der BRAK.
KI und Anwaltsberuf
Am 10.01.2026 fand in Sousse, Tunesien, eine gemeinsame Veranstaltung der BRAK und der tunesischen Anwaltskammer (ONAT) statt. Sie wurde in enger Zusammenarbeit mit der Zweigstelle in Sousse organisiert und durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die aktuellen Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz (KI) auf den Anwaltsberuf, insbesondere berufsrechtliche Fragestellungen. Es nahmen etwa 150 Anwältinnen und Anwälte aus Sousse, Monastir, Kairouan und Tunis teil. Die BRAK wurde durch den Präsidenten der RAK Thüringen, Jan Helge Kestel, sowie Riad Khalil Hassanain vertreten. Die tunesische Anwaltskammer war u. a. durch ihren neuen Präsidenten Boubaker Ben Thabet vertreten, der die Veranstaltung eröffnete. Der ehemalige Schatzmeister der ONAT, Rached Barkache, referierte zu den potenziellen Auswirkungen von KI auf das in Tunesien bestehende, nach wie vor restriktive Werbeverbot für Anwälte. Insgesamt war die Veranstaltung von teils sehr lebhaften Diskussionen über die Zukunft des Anwaltsberufs begleitet. Auch hier konnte die BRAK die Auswirkungen von KI auf die deutsche Anwaltschaft, aber auch die Anwaltspraxis darlegen.