Ergebnisse der Justizprüfungsstatistik 2023 – Prädikatsexamina auf dem Rückzug
Die Zahl der Examenskandidaten ist gestiegen – gleichzeitig sinkt der Anteil der Prädikatsexamina. Die Ergebnisse werfen Fragen nach der Vergleichbarkeit und Transparenz der Notenvergabe auf.
Nach den Ergebnissen der Justizprüfungsstatistik 2023 haben bundesweit 9.217 Studierende die Erste Juristische Prüfung nach durchschnittlich 10,3 Semestern erfolgreich abgeschlossen. Damit liegt die Zahl leicht über dem Vorjahreswert. Die Bestehensquote im staatlichen Prüfungsteil beträgt 72,5 Prozent, was einen Rückgang gegenüber 2022 (73,8 Prozent) darstellt. Auffällig ist zugleich der Rückgang der sogenannten Prädikatsexamina: Nur 18,8 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten erreichten 2023 die Note „vollbefriedigend“ oder besser (2022: gut 20 Prozent). Lediglich 0,2 Prozent erzielten die Bestnote „sehr gut“.
Große regionale Unterschiede
Auch regionale Unterschiede sind erheblich: Während in Sachsen-Anhalt mehr als die Hälfte der Kandidaten ein Prädikatsexamen ablegte, lag der Anteil in Mecklenburg-Vorpommern bei nur 20,9 Prozent. Die Studiendauer variierte stark – von durchschnittlich 7,4 Semestern in Schleswig-Holstein bis 14,5 Semestern im Saarland. Der Frauenanteil unter den erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen stieg bundesweit auf 58,8 Prozent.
Die Zweite Juristische Staatsprüfung bestanden 2023 insgesamt 8.358 Personen, was einer Bestehensquote von 87,9 Prozent entspricht. Der Frauenanteil lag hier bei 57,7 Prozent. Auch in der Zweiten Prüfung wurden Prädikatsnoten nur selten vergeben: 21,2 Prozent erreichten „vollbefriedigend“ oder besser, die Bestnote „sehr gut“ lediglich 0,1 Prozent.
Mangelnde Transparenz in der Notenvergabe
In Bayern wurde ein vergleichsweise hoher Anteil sehr guter Noten vergeben, während andere Bundesländer deutlich niedrigere Werte verzeichneten. Zudem weist die Statistik ausschließlich die Ergebnisse der staatlichen Pflichtfachprüfung aus; der universitäre Prüfungsteil bleibt darin unberücksichtigt. Die Bewertungspraxis zwischen den Bundesländern variiert erheblich und die Durchfallquoten schwanken regional stark.
Die Ergebnisse verstärken die Diskussion über die Vergleichbarkeit und Transparenz der Notenvergabe.
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