BRAK-Podcast: neue Folge – Kanzlei ohne Kanzlei?
Kanzleischild dran, Postannahme geregelt, Telefon erreichbar, Besprechungsraum bei Bedarf: Reicht das als Kanzlei? Oder verlangt § 27 BRAO weiterhin mehr – nämlich eigene Räume, in denen Anwältinnen und Anwälte üblicherweise präsent sind? Die neue Folge von (R)ECHT INTERESSANT! greift ein BGH-Urteil auf, das in der Anwaltschaft für reichlich Diskussion sorgt – bis hin zum Vorwurf der „Realitätsverweigerung in Karlsruhe“.
In der aktuellen Folge des Podcasts spricht Rechtsanwalt André Haug, Vizepräsident der BRAK und Präsident der Rechtsanwaltskammer Karlsruhe, über einen Fall, der zunächst nach Büroorganisation klingt, tatsächlich aber an Grundfragen des anwaltlichen Berufsrechts rührt. Ein Kollege wollte neben seiner Syndikustätigkeit als niedergelassener Anwalt arbeiten und gab als Kanzleiadresse ein Bürocenter an. Dort gab es ein Kanzleischild, Post wurde sicher verwahrt, die telefonische Erreichbarkeit war organisiert, Räume konnten bei Bedarf für Besprechungen genutzt werden. Der AGH Berlin fand: zeitgemäß. Der BGH sagte: genügt nicht.
Und damit beginnt die eigentliche Debatte: Was ist eine Kanzlei im digitalen Zeitalter? Ein Raum mit Aktenschrank? Ein Ort für vertrauliche Gespräche? Ein Anlaufpunkt für Rechtsuchende? Oder kann auch ein professionell organisierter Büroservice mit digitaler Arbeitsweise, Verschwiegenheitsvereinbarungen und flexibler Raumnutzung ausreichen?
Lebendiger Schlagabtausch
Podcast-Host Stephanie Beyrich bringt die digitale Praxis auf den Punkt: Mandate kommen per E-Mail, Unterlagen liegen elektronisch vor, Besprechungen finden per Video statt – und viele Mandantinnen und Mandanten möchten gerade nicht erst quer durch die Stadt fahren.
André Haug ordnet ein: Der BGH habe § 27 BRAO konsequent ausgelegt. Wenn das nicht mehr zur Lebenswirklichkeit passt, braucht es mehr als Empörung – nämlich eine saubere Diskussion darüber, welche Mindestanforderungen an eine Kanzlei heute wirklich noch notwendig sind.
Aus der Frage nach Coworking und Bürocenter wird schnell eine Debatte über Nachwuchs, Gründungshürden, Zugang zum Recht und die Zukunft anwaltlicher Tätigkeit. Muss man erst Räume anmieten, bevor man loslegen darf? Ist ein ständig besetzter Office-Service manchmal sogar verlässlicher als die klassische Einzelkanzlei? Und wie viel „Ort“ braucht anwaltliche Vertrauensarbeit künftig noch?
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