Mental Health in der Anwaltschaft: Ihre Stimme zählt!
Stress, Fristen, Verantwortung: Der anwaltliche Alltag fordert viel. Eine aktuelle IFB-Studie will sichtbar machen, wie es um die mentale Gesundheit in der Anwaltschaft steht – und braucht dafür möglichst viele Teilnehmende.
Weltweiter Fokus auf die Gesundheit juristischer Berufe
Erst kürzlich, am 25. Juli, wurde der Internationale Tag des Wohlbefindens der Justiz begangen. Der von den Vereinten Nationen ausgerufene Aktionstag rückt die physische und mentale Gesundheit von Richterinnen, Richtern und Justizbeschäftigten in den Mittelpunkt. Seine Botschaft reicht jedoch weit über die Gerichte hinaus: Wer tagtäglich Verantwortung für Recht, Freiheit, Vermögen, Familien oder Unternehmen trägt, braucht Arbeitsbedingungen, die dauerhaft gesundes Entscheiden und Handeln ermöglichen.
Stress, Überlastung und Erschöpfung sind im juristischen Berufsalltag längst keine Randthemen mehr. Sie betreffen nicht nur die Justiz, sondern auch die Anwaltschaft – oft unter hohem Zeitdruck, mit engen Fristen, komplexen Mandaten und wachsenden Erwartungen.
Wie dringlich das Thema ist, zeigt auch die Umfrage 2024 der IBA Professional Wellbeing Commission: Während das Bewusstsein für Mental Health zwar wächst, klafft in vielen Kanzleien weiterhin eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Dies trifft außerdem zusammen mit einer strukturellen Krise des Berufsstands. Trotz Marktwachstums sinkt die Zahl niedergelassener Anwältinnen und Anwälte seit Jahren, da viele – allen voran Frauen – der Kanzleiwelt den Rücken kehren und in die freie Wirtschaft oder den öffentlichen Dienst wechseln.
IFB untersucht Belastungen im anwaltlichen Alltag
Wie genau steht es um die mentale Gesundheit der Anwaltschaft hierzulande? Welche Faktoren belasten besonders? Und wo braucht es gezielte Unterstützung, Prävention oder neue Strukturen? Diesen Fragen geht aktuell das Institut für Freie Berufe an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg e.V. (IFB) im Auftrag der Selbsthilfe der Rechtsanwälte e.V. aus München nach. Die Onlinebefragung richtet sich an Anwaltskanzleien sowie angestellt tätige Juristinnen und Juristen. Im Fokus stehen unter anderem das aktuelle Stresslevel, belastende Aspekte der Tätigkeit und die Folgen anhaltender Dauerbelastung.
15 Minuten für ein klareres Bild
Die Teilnahme dauert rund 15 Minuten. Sie ist ein wichtiger Beitrag, um ein belastbares Bild der Situation in der Anwaltschaft zu gewinnen. Je mehr Berufsträgerinnen und Berufsträger mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse. Die Studie soll nicht bei der Bestandsaufnahme stehen bleiben: In einem zweiten Schritt, der Anfang 2027 vorgesehen ist, sollen konkrete Lösungsansätze untersucht werden. Bis Mitte 2027 ist die Veröffentlichung der Erkenntnisse in Forschungsarbeiten und Artikeln geplant.
Mitmachen und weitergeben
Mental Health ist kein Zeichen persönlicher Schwäche, sondern eine Frage professioneller Rahmenbedingungen und der Zukunftsfähigkeit des Anwaltsberufs. Gerade deshalb ist es wichtig, Erfahrungen aus der Praxis sichtbar zu machen.
Die Umfrage ist bis zum 27.9.2026 erreichbar.
Anwältinnen und Anwälte sind herzlich eingeladen, teilzunehmen – und den Link auch in Kanzleien, Netzwerken und Kollegenkreisen weiterzugeben. Je breiter die Beteiligung, desto besser kann die Studie zeigen, wo die Anwaltschaft steht und was sie künftig braucht.
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