BRAK-Magazin – neues Heft

Juristenausbildung: Reformen ja, Revolution nein

Seit Jahren wird über die Reform der juristischen Ausbildung diskutiert, oft mit den immer gleichen Argumenten und ohne politische Bewegung. Nun scheint sich etwas zu ändern. Martin W. Huff, Mitglied im BRAK-Ausschuss Juristenausbildung, blickt im Editorial des neuen BRAK-Magazins auf den 75. Deutschen Juristentag im September 2026 in Erfurt zurück. Dort war die Abteilung zur juristischen Ausbildung die am besten besuchte, mit teils über 300 Teilnehmenden. Neben erfahrenen Juristinnen und Juristen brachten sich auffallend viele Studierende und Referendar:innen ein.

06.11.2026 Publikation

Klares Votum für Staatsprüfung und Einheitsjurist

Die Beschlüsse empfehlen weitreichende Reformen, aber keinen Systembruch. Eine überwältigende Mehrheit, auch unter den jungen Juristinnen und Juristen, sprach sich dafür aus, an den Staatsprüfungen und am Einheitsjuristen festzuhalten. Eine reine Bachelor-/Master-Ausbildung fand keine Unterstützung. Der Juristentag fordert jedoch ein neues Leitbild: Statt reinen Lernens soll die kritische Urteilsfähigkeit im Mittelpunkt stehen. Prüfungskataloge und Prüfungsstoff sollen deutlich reduziert, das Strukturdenken gestärkt werden. Zudem soll geprüft werden, ob einzelne Rechtsgebiete studienbegleitend geprüft und damit aus der Staatsprüfung herausgenommen werden können.

Referendariat praxisnäher gestalten

Auch für das Referendariat gab es deutliche Forderungen. Es soll praxisnäher werden, Referendar:innen sollen tatsächlich ausgebildet werden und nicht nur Akten tragen. Der Juristentag plädiert für ein Ausbildungscurriculum, einheitliche Unterrichtsmaterialien und eine Qualifizierung der Ausbildenden. Bei den Prüfungen soll die Zweitkorrektur blind erfolgen, das Abschichten von Klausuren freiwillig möglich werden. Auffällig war, dass viele Gegenstimmen von den Landesjustizprüfungsämtern kamen, vor allem aus Bayern und teils aus Nordrhein-Westfalen. Huff sieht hier einen notwendigen Umdenkprozess, den auch die Justizministerien einfordern sollten.

Anwaltschaft in der Pflicht

Huffs Fazit richtet sich auch an die eigene Berufsgruppe: Die Anwaltschaft müsse sich deutlich stärker in die Ausbildung einbringen. Für die Stationen brauche es Richtlinien dazu, was vermittelt werden soll, und die anwaltlichen Arbeitsgemeinschaften müssten einheitlicher werden. Das eröffne die Chance, praxisnäher für die Anwaltstätigkeit auszubilden, und diese solle die Anwaltschaft ergreifen.

Weiterführende Links:

Huff, BRAK-Magazin 5/2026
BRAK-Magazin 5/2026
Nachrichten aus Berlin 20/2026 v. 30.9.2026 (zu den Beschlüssen des 75. Deutschen Juristentags) 

Hintergrund:

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