BRAK-Podcast – zwei neue Folgen, zwei starke Themen
Diese Woche gibt es doppelten Nachschub aus dem BRAK-Podcast „(R)ECHT INTERESSANT!“: Er beleuchtet ein hochaktuelles verfassungsrechtliches Dauerproblem – das selbstbestimmte Sterben – und richtet darüber hinaus den Blick auf eine Premiere, die lange überfällig war: den neuen bundesweiten Aktionstag für Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte.
„Live and let die!“ – Selbstbestimmtes Sterben zwischen Grundrecht und Gesetzeslücke
Der Tod der Kessler-Zwillinge, die den Zeitpunkt ihres Lebensendes selbst wählten, hat eine Debatte neu entfacht, deren verfassungsrechtliche Grundlinien längst gezogen sind. Denn bereits 2020 stellte das Bundesverfassungsgericht eindeutig fest: Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben ist Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und umfasst auch die Freiheit, freiwillige Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen.
Rechtslage klar – Politik untätig
Trotz dieser wegweisenden Entscheidung fehlt bis heute ein gesetzlicher Rahmen, der Missbrauch verhindert und die notwendige Verfahrenssicherheit schafft. Zwei konkurrierende Gesetzentwürfe scheiterten 2023, seither ist nichts passiert. In der neuen Podcastfolge von „(R)ECHT INTERESSANT!“ spricht darüber Prof. Dr. Christoph Knauer, Vorsitzender des BRAK-Ausschusses für Strafprozessrecht und einer der zentralen Beschwerdeführer, die die Nichtigerklärung des § 217 StGB erreichten. Knauer betont: Die Beihilfe zur Selbsttötung ist und bleibt straflos – und doch bestehen erhebliche Unsicherheiten für alle Beteiligten.
Offene Fragen und dringender Handlungsbedarf
Derzeit sind es vor allem Sterbehilfevereine, die die Autonomie und Dauerhaftigkeit eines Sterbewunsches prüfen – ohne einheitliche Standards und ohne staatliche Kontrolle. Für Knauer ist das bestenfalls eine Übergangslösung. Besonders komplex seien zudem ungelöste Fragen im Strafvollzug, wo die bisherige Praxis der Suizidverhinderung im Widerspruch zu den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts steht. „Der Bundestag hat sich gedrückt“, so Knauer und sein Appell ist eindeutig: Deutschland braucht klare Regeln, und der Gesetzgeber darf sich dieser Verantwortung nicht länger entziehen.
Jetzt reinhören: Was bedeutet selbstbestimmtes Sterben für den Rechtsstaat? Wo bestehen Risiken für Ärzt:innen, Angehörige und Begleitende? Und warum bleibt die Politik untätig, obwohl Karlsruhe unmissverständlich gesprochen hat?
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„Ohne uns läuft nichts!“ – Tag der Kanzleiheld:innen
Und auch eine weitere Podcastfolge sollten Sie nicht verpassen: Am 12.11. wurde erstmals der bundesweiter Aktionstag zur Würdigung von Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten gefeiert – künftig jedes Jahr am zweiten Mittwoch im November. Getragen von BRAK, DAV, Bundesnotarkammer, dem Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte sowie dem RENO Bundesverband und unterstützt durch die Schirmherrschaft der Bundesjustizministerin.
Worum es wirklich geht
Wie Kanzleien mitmachen können und welche Idee hinter dem Aktionstag steht, erklären die Initiatorinnen Ronja Tietje (RENO Bundesverband) und Sabine Vetter (Forum Deutscher Rechts- und Notarfachwirte e.V.) im Podcast. Die neue Website kanzleiheldinnen.de soll ganzjährig Aktionen aus der Praxis sammeln – von Fotos bis zu O-Tönen – und so zeigen, wie vielfältig und unverzichtbar der Beruf ist. Dabei spielen Datenschutz und klare Strukturen eine wichtige Rolle.
Wertschätzung statt Frust
Im Gespräch mit Host Stephanie Beyrich wird deutlich: Der größte Wunsch vieler ReFas, ReNos und Auszubildenden ist nicht ein höheres Gehalt, sondern echte Wertschätzung, Verantwortung und Mitgestaltung. Fehlende Anerkennung führt besonders bei Auszubildenden häufig zum Abbruch der Ausbildung. Der Aktionstag soll daher Bewusstsein schaffen und einen Kulturwandel anstoßen – hin zu mehr Offenheit, Menschlichkeit und modernen Ausbildungsbedingungen.
Reinhören und erfahren, warum dieser Aktionstag ein längst überfälliges Signal ist!
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