Zukunft der Justiz & Resilienz des Rechtsstaats: zwei neue Podcast-Folgen
Wie recherchiert man Recht, wenn KI blitzschnell antwortet, aber im Zweifel Quellen erfindet? Wie transparent ist ein Rechtsstaat, in dem nur ein Bruchteil der Gerichtsentscheidungen veröffentlicht wird? Und wie wehrhaft ist der Rechtsstaat gegen zunehmende Anfeindungen? Zwei neue Ausgaben des Podcasts „(R)ECHT INTERESSANT!“ beleuchten aktuelle Herausforderungen der juristischen Praxis – von KI-gestützter Recherche bis hin zur klaren Haltung in gesellschaftlich stürmischen Zeiten.
In der neuen Folge des Podcasts „(R)ECHT INTERESSANT!“ ist Till Bußmann-Welsch zu Gast; er ist Jurist, Gründer, Mitinitiator von iur.reform und einer der Köpfe hinter offene-urteile.de. Es geht um KI, die nicht halluzinieren soll, um Urteile, die öffentlich zugänglich sein müssten, und um eine Ausbildung, die mehr Können statt bloß Wissen vermittelt.
Zum Auftakt: die Dauerbaustelle Juristenausbildung. Bußmann-Welsch kritisiert Stofffülle, Detailwissen und Examensdruck – und fordert radikal: 90 % Stoffreduktion. Weniger Auswendiglernen, mehr Denken, mehr Praxis, mehr Lebenszeit.
Spannend wird es auch bei Anita, der KI-gestützten juristischen Rechercheplattform, benannt nach der Frauenrechtlerin Anita Augspurg. Die Idee: schnellere, zugänglichere Rechtsrecherche – aber bitte verlässlich. Denn KI klingt oft überzeugend, auch wenn die Quelle nicht existiert oder etwas anderes sagt. Anita setzt deshalb auf erklärbare KI, Fraunhofer-Know-how und präzise Quellenarbeit. Für Anwältinnen und Anwälte ist sie wie eine digitale wissenschaftliche Mitarbeitende, oder wie Host Stephanie Beyrich sagt: ein Legal Minion.
Zweiter Schwerpunkt: die Plattform offene-urteile.de. In Deutschland werden bislang nur rund 1 bis 3 % der Gerichtsentscheidungen veröffentlicht. Für Bußmann-Welsch ein rechtsstaatliches Problem: Gerichte konkretisieren Gesetze, prägen Begriffe und schaffen Orientierung. Wenn Entscheidungen nicht zugänglich sind, fehlt Wissen – bei Bürgerinnen, Anwaltschaft, Wissenschaft und der Justiz selbst.
Die Plattform ermöglicht es, Entscheidungen bei Gerichten anzufragen oder anonymisierte Urteile hochzuladen. Mit dabei: OpenJur, FragDenStaat und Transparency International. Diskutiert werden auch die Knackpunkte: Wer anonymisiert? Wer trägt den Aufwand? Entstehen neue Verzerrungen? Und wie verhindert man, dass KI Zugang erleichtert, aber neue Fehler produziert?
BRAK-Podcast: Kurzfolge – Rechtsstaat braucht Rückgrat
Was braucht ein Rechtsstaat, wenn Institutionen unter Druck geraten, Anwältinnen angefeindet, Richter bedroht und Debatten von Misstrauen geprägt werden? Diese Kurzfolge von „(R)ECHT INTERESSANT!“ dokumentiert das Grußwort von Leonora Holling, Schatzmeisterin der BRAK und Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Düsseldorf, bei der BRAK-Veranstaltung „Rechtsstaat braucht Rückgrat“ am 24.3.2026.
Holling findet klare Worte: Executive Orders gegen die Anwaltschaft, Druck auf Kammern, Angriffe auf die Justiz – und auch in Deutschland Diffamierungen von Anwältinnen und Anwälten als angebliche „Anti-Abschiebeindustrie“.
Im Zentrum steht die Frage: Ist unser Rechtsstaat resilient genug? Es geht um Vertrauen, Haltung, Schutz der Anwaltschaft, Hass und Hetze als Berufsrisiko – und darum, warum gerade Anwältinnen und Anwälte öffentlich Rückgrat zeigen müssen.
Weiterführende Links:
- Folge #154: Zeig du mir deins, ich zeig dir meins | Till Bußmann-Welsch
- Folge „kurz & knackig“: Rechtsstaat braucht Rückgrat | Leonora Holling
- „Rechtsstaat braucht Rückgrat“ News v. 26.4.2026 ; Art. 19 V GG - DER TALK - Symbolpolitik oder Sicherheitsnetz?
- „Rechtsstaat braucht Rückgrat“ News v. 21. 4.2026 (zur Veranstaltung vom 24.3.2026 zu den Verlinkungen der Videos)
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