Leise laut: Sabine Fuhrmann erhält Maria-Otto-Preis 2026
DAV ehrt herausragendes Engagement der BRAK-Vizepräsidentin
Maria Otto war die erste Frau, die als Rechtsanwältin zugelassen wurde. Nach ihr wurde der Preis benannt, den der Deutsche Anwaltverein e. V. (DAV) seit 2010 an Rechtsanwältinnen, die sich in Beruf, Justiz, Politik und Gesellschaft besonders ausgezeichnet haben, oder an Personen oder Organisationen verleiht, die sich in besonderem Maße um die Belange der Anwältinnen verdient gemacht haben.
Der Präsident des Deutschen Anwaltvereins e. V., Rechtsanwalt Stefan von Raumer, verlieh am gestrigen Abend in der Mendelssohn-Remise den Maria-Otto-Preis an Rechtsanwältin Sabine Fuhrmann, Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen und Vizepräsidentin der Bundesrechtsanwaltskammer. Die Laudatio auf die sichtlich gerührte Preisträgerin hielt Rechtsanwältin Ilona Treibert, Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Bamberg.
Sabine Fuhrmann sei in jeder Hinsicht etwas ganz Besonderes, den sie besitze, so Treibert, eine Fähigkeit,
die zugleich unglaublich wichtig, aber auch sehr selten sei: Sie könne leise laut sein.
„Sie hat es nicht nötig, zu poltern, zu wettern, zu wüten oder sich zu empören. Sabine Fuhrmann ist ein von Grund auf freundlicher und herzlicher Mensch. Man darf sie als unprätentiös bezeichnen, sie spielt sich nicht in den Vordergrund, schlägt oft eher leise, aber stets kluge Töne an. Dabei ist sie immer eine Frau mit Prinzipien, mit Haltung, voller Engagement. Sie hat einen klaren Blick für das Wesentliche, für Dinge, die bedeutsam sind. Was sie sagt, ist klar, deutlich, präzise, von Wissen getragen und findet Gehör. Kein Wunder also, dass sie ein gern gesehener Gast ist, sei es in Sachverständigenanhörungen, in Ausschusssitzungen oder anderen Expertengremien. Wir ehren also heute eine Frau, die in besonderer Weise für das steht, was unseren Beruf im Innersten, in seinem Kern, ausmacht: Werte, Freiheit, Verantwortung und Unabhängigkeit.“
Fuhrmann spreche nicht nur über anwaltliche Werte, sondern lebe sie. Sie weise nicht nur auf Missstände hin, sondern stelle sich ihnen entgegen, so Treibert:
„Diese Frau hat Haltung gezeigt und wird weiter Haltung zeigen. Für bedrohte Kolleginnen und Kollegen, die Unterstützung benötigen, für junge Anwältinnen und Anwälte, die mehr Mut für ihren eigenen Weg brauchen, für uns alle, damit wir uns ein Beispiel an dem nehmen können, was eine einzelne engagierte Person bewegen kann.“
Besonders betonte Treibert die Vorbildfunktion Fuhrmanns, auch und gerade als ostdeutsche Frau:
„Sabine Fuhrmann gehört zu den leider immer noch sehr wenigen ostdeutschen Frauen, die es – wie man so schön sagt – geschafft haben. Eine Frau. Aus dem Osten. Ich wünschte, das wäre nichts, was man betonen oder hervorheben müsste. Aber das ist es – auch heute noch. Sabine Fuhrmann hat damit gleich zwei Karrierehindernissen ein ordentliches Schnippchen geschlagen. Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht, Mitgründerin und Partnerin der Kanzlei Spirit Legal (auch bei den „Spirits“, wie Sabine ihre Kolleginnen und Kollegen liebevoll nennt, herrscht tatsächlich ein besonderer Spirit) mit Standorten in Leipzig, Dresden und Frankfurt am Main, Präsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen, Vizepräsidentin der Bundesrechtsanwaltskammer.“
Fuhrmann habe all das, so Treibert, durch ihre Ernsthaftigkeit, Gewissenhaftigkeit, ihren Tatendrang und nicht zuletzt ihr Herzblut erreicht. Indem sie das getan habe, was sie am besten kann: Überzeugen, indem sie leise laut sei!“
Die sehr emotionale Laudatio, die nicht nur Fuhrmann, sondern auch das Publikum sichtlich bewegte, schloss mit einem Appell:
„Nehmen wir Sabine Fuhrmann als Inspiration, als Role Model für Engagement, für Haltung, für Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit. Stellen Sie sich vor, was erreicht werden könnte, wären wir alle ein wenig Fuhrmann. Also tun wir doch genau das: Lasst uns gemeinsam leise laut sein!“
Auch BRAK-Präsident Rechtsanwalt und Notar Dr. Ulrich Wessels begrüßt die Wahl der Jury:
„Sabine Fuhrmann ist nicht nur ein großartiger Mensch, sondern auch eine kluge und eine unglaublich engagierte Person, die mit ihrer von Grund auf herzlichen und aufrichtigen Art ein wahres Vorbild ist. Ich schätze sie als Kollegin sehr und bin dankbar, mit ihr zusammenarbeiten zu dürfen. Sie ist Impulsgeberin, Diskussionspartnerin, Wegbereiterin und in jeder Hinsicht eine Bereicherung.“
Fuhrmann bedankte sich herzlich in der ihr eigenen bescheidenen Art:
„Maria Otto hat sechs Jahre gebraucht, um zu einer Prüfung zugelassen zu werden, die ihre männlichen Kommilitonen einfach ablegen durften. Beharrlichkeit ist die unspektakulärste aller Tugenden und in unserem Beruf die wirksamste. Einen Preis in Händen zu halten, der diesen Namen trägt, ist für mich Ehre und Ansporn zugleich. Man wird nicht Kammerpräsidentin, weil man mehr Termine braucht. Man macht es, weil dieser Beruf seine Unabhängigkeit nur behält, solange genügend Kolleginnen und Kollegen bereit sind, Zeit dafür herzugeben. Mein Dank gilt meinen Partnern und Kolleginnen und Kollegen in der Kanzlei und in der Rechtsanwaltskammer Sachsen, die mir den Rücken freihalten, wenn ich für die Anwaltschaft unterwegs bin.“
Von den zahlreich erschienenen Gästen gab es Standing Ovations für Fuhrmann.
Weiterführende Links:
Laudatio (von Ilona Treibert)
Portraitfoto von RAin Sabine Fuhrmann
Über den Maria Otto Preis (DAV)
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