Nachrichten aus Berlin | Ausgabe 1/2026

Anwaltschaft im Blick der Wissenschaft – BRAK-Veranstaltung in den Medien

„Braucht die Anwaltschaft ein neues Vergütungssystem?“ – mit diesem Thema befasste sich am 5. Dezember 2025 die Konferenzreihe „Anwaltschaft im Blick der Wissenschaft“. Bereits zum achten Mal richteten die Bundesrechtsanwaltskammer und das Institut für Prozess- und Anwaltsrecht die jährlich stattfindende Konferenzreihe in Hannover aus. Über die Veranstaltung berichteten Legal Tribune Online und das Anwaltsblatt.

07.01.2026Newsletter

In der Legal Tribune Online (LTO) widmete sich Hasso Suliak ausführlich den strukturellen Herausforderungen, vor denen die Anwaltschaft steht, und stellte die Konferenz „Anwaltschaft im Blick der Wissenschaft“ (AiBdW) in den Kontext eines tiefgreifenden Wandels des Berufsbildes. Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen Fragen nach der wirtschaftlichen Tragfähigkeit anwaltlicher Tätigkeit, dem zunehmenden Kanzleisterben – insbesondere im ländlichen Raum – sowie der Zukunft bestehender Vergütungsmodelle. LTO schilderte die Konferenz als Ort einer offenen Debatte darüber, ob das derzeitige, überwiegend zeitbasierte Vergütungssystem noch den tatsächlichen Wert anwaltlicher Leistungen abbilde.

Zugang zum Recht wird schwerer

Im Mittelpunkt des Berichts steht der Vortrag des Rechtssoziologen Prof. Dr. Michael Wrase. Wrase untersucht seit 2020 am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB), wie Menschen ohne finanzielle Mittel tatsächlich Zugang zu Recht und Justiz erhalten können. Sein Team analysiert empirisch die rechtlichen, institutionellen, materiellen und sozialen Hürden beim Gang zu Gerichten und bei der Rechtsdurchsetzung. Die vollständigen Ergebnisse erscheinen zwar erst im kommenden Jahr, doch in Hannover stellte Wrase bereits aufschlussreiche erste Befunde vor.

Die Tagung habe deutlich gemacht, so LTO, dass die Diskussion um Vergütung untrennbar mit Fragen der Qualität, Effizienz und Zugänglichkeit anwaltlicher Dienstleistungen verbunden sei.

Künstliche Intelligenz und anwaltliche Wertschöpfung

Einen ergänzenden Blick auf die Veranstaltung bot das Anwaltsblatt. In einem weiteren Beitrag griff Suliak hier die zentralen Diskussionspunkte der Konferenz auf und ordnete sie berufs- und rechtspolitisch ein. Im Zentrum steht dabei der Vortrag von Frank Vießmann, Chief Compliance Officer der Continental AG. Laut ihm wird KI zunehmend menschliche Arbeitsleistung ersetzen, etwa bei der Auswertung umfangreicher Aktenbestände. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob Stundenhonorare noch angemessen seien, wenn KI Anwält:innen zeitlich erheblich entlaste. Als mögliches Zukunftsmodell wurde das Pauschalhonorar diskutiert, wobei zugleich die Notwendigkeit einer sorgfältigen Kontrolle von KI-Ergebnissen betont wurde.

Der Beitrag beleuchtet zudem auch die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf die anwaltliche Wertschöpfungskette sowie die Frage, ob alternative Vergütungsmodelle – etwa Pauschalhonorare – künftig an Bedeutung gewinnen könnten.

Darüber hinaus thematisiert der Beitrag die Bedeutung einer flächendeckenden anwaltlichen Versorgung für den demokratischen Rechtsstaat und verwies auf die Warnungen vor den Folgen des Kanzleisterbens im ländlichen Raum. Abschließend ging er auf die Diskussion um neue Regelungen gegen sogenannte SLAPP-Klagen ein, die auf der Konferenz kritisch hinterfragt wurden.

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