Studierenden-Wettbewerb

Leipzig gegen Leipzig: Doppelsieg beim 14. Soldan Moot Court

Ein Finale unter Leipziger Teams, eine Mannschaft, die nur zu dritt antrat, und ein Fall zwischen Datenschutz und Kanzleigeheimnis: Beim 14. Soldan Moot Court in Hannover schlüpften Jurastudierende in die Rolle von Anwältinnen und Anwälten. Am Ende waren die Leipziger und Leipzigerinnen nicht zu schlagen.

12.10.2026 Anwaltschaft

Wo kann man im Studium schon Anwältin oder Anwalt sein? Beim Hans-Soldan-Moot-Court zur anwaltlichen Berufspraxis geht das. Die Teilnehmenden analysieren einen fiktiven Fall, würdigen Beweismittel, verfassen Klage und Klageerwiderung und plädieren schließlich in simulierten Verhandlungen gegeneinander. Für die Klageschrift hatten die Teams fünf Wochen Zeit, bewertet wurden die Schriftsätze von zahlreichen Praktikerinnen und Praktikern. Die mündlichen Verhandlungen fanden vom 8. bis 10.10.2026 in der Juristischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover statt. Organisiert wird der Wettbewerb vom dortigen Institut für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA).

Pre-Moots in vier Städten

Den letzten Schliff konnten sich die Teams schon im September holen: Bei Pre-Moots in Bonn (12.09.), Berlin (19.09.), Erlangen (22.09.) und Hamburg (26.09.) ließen sich Auftreten und Argumentation vorab testen. An der Bucerius Law School in Hamburg fand der Pre-Moot bereits zum elften Mal statt.

Leipzig im Finale unter sich

Die Entscheidungen fielen am Samstag. Nach Viertel- und Halbfinale stand am Nachmittag fest, wer um den Sieg spielen würde, und es war ein Leipziger Duell: Team I gegen Team II der Universität Leipzig. Den Hans-Soldan-Preis für die beste mündliche Verhandlung gewann Team I mit Richard Junghans, Bruno Liebeskind, Thilda Teichmann und Franziska Reidel; betreut von den Coaches Alexander Zettel, Felicitas Drews und Moritz Dulleck.

Team II hatte den schwereren Weg. Wenige Wochen vor dem Wettbewerb fiel ein Teammitglied krankheitsbedingt aus. Maja Kieshauer, Jonathan Kliem und Ansgar Klisch machten zu dritt weiter, begleitet von ihren Coaches Annika Etschel, Hannah Lange und Paul Wannhof, und erreichten den zweiten Platz.

Auch die Einzelwertung dominierte Leipzig: Den Preis des Deutschen Juristen-Fakultätentages für die beste mündliche Einzelleistung erhielt Jonathan Kliem. Platz 2 teilten sich Ansgar Klisch und Franziska Reidel, auf Platz 3 folgten Thilda Teichmann, Greta Elisabeth Bittmann (Bonn) und Mathilda Bein (Münster).

Schriftsätze: Hannover und Bochum vorn

Bei den Schriftsätzen setzten sich andere durch. Den Preis der Bundesrechtsanwaltskammer für den besten Klageschriftsatz gewann Team I der Leibniz Universität Hannover (Lina Salameh, Paul Luca Schmidt, Cosima Wilkens und Azad Akin). Den Preis des Deutschen Anwaltvereins für den besten Beklagtenschriftsatz holte die Ruhr-Universität Bochum (Jonas Stollen, Hannah Kramer, Ida Carina Charlotte Sophie Eiling und Elias Chernane).

Kameras, Kennzeichen, Kanzleigeheimnis

Zugrunde lag ein Fall aus dem Berufsalltag: Auf dem Parkplatz eines Gewerbezentrums ließ die Vermieterin ein kamerabasiertes System installieren, das bei Ein- und Ausfahrt die Kennzeichen erfasst, um die Parkdauer zu kontrollieren. Eine dort ansässige Kanzlei sah dadurch die Vertraulichkeit von Kanzleibesuchen gefährdet, ein Rechtsanwalt machte eigene Datenschutzrechte geltend.

Die Teams mussten klären, wer datenschutzrechtlich verantwortlich ist, ob die Überwachung zulässig war und ob mildere Mittel genügt hätten. Dazu kamen Schadensersatz nach der DSGVO, Mietminderung, mögliche Widerklagen und Fragen des anwaltlichen Berufsrechts.

Mit schwachen Gegnern hatte Leipzigs Erfolg nichts zu tun. Nach dem Eindruck der Jurorinnen und Juroren war keine einzige Verhandlung schwach. Entsprechend schwer fielen manche Entscheidungen, vor allem im Viertelfinale, wo die Leistungen eng beieinanderlagen.

Rahmenprogramm: Austausch, Perspektiven, Bankett

Daneben bot der Moot Court rund um die Verhandlungen reichlich Gelegenheit zum Austausch. Los ging es am 7. Oktober mit dem Begrüßungsabend der Hans-Soldan-Stiftung im 14. Stock des Conti-Hochhauses am Königsworther Platz in Hannover. Am Tag darauf stand bei „Talks & Drinks“ der Blick auf Anwaltsrecht und Berufsperspektiven im Mittelpunkt. Dr. Jannina Schäffer von beck-aktuell moderierte die Runde mit Dr. Michael Pocsay, LL.M. (Counsel, tätig unter anderem in Handels- und Gesellschaftsstreitigkeiten sowie internationalen Schiedsverfahren), Sandro Birkenhof (Gründer von „Examen mit Sandro”), Dipl.-Jur. Hannah Hölzen (Institut für Prozess- und Anwaltsrecht) und Dr. Christian Lemke (Präsident der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer Hamburg und Vizepräsident der BRAK). Am 9. Oktober lud schließlich die BRAK zum festlichen Bankettabend in den Lichthof des Welfenschlosses.

Dank an die Anwaltschaft und alle Beteiligten

Ohne ehrenamtliches Engagement geht beim Moot Court nichts: Zahlreiche Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie Richterinnen und Richter waren als Richterinnen/Richter, Juroinnen/Juroren und Korrektorinnen/Korrektoren im Einsatz und stellten dafür ihre Zeit ehrenamtlich zur Verfügung. Das Organisationsteam dankt ihnen ebenso wie den Studierenden, den Coaches und allen weiteren Unterstützern und Unterstützerinnen.

Über den Wettbewerb:

Um Jurastudierende – zusätzlich zur Ausbildung an Universitäten – bestmöglich auf den Anwaltsberuf sowie berufsrechtliche Fragestellungen vorzubereiten, richten die Bundesrechtsanwaltskammer, die Hans Soldan Stiftung, der Deutsche Anwaltverein sowie der Deutsche Juristen-Fakultätentag jährlich gemeinsam den Soldan Moot aus – einen studentischen Wettbewerb zum anwaltlichen Berufsrecht, den das Institut für Prozess- und Anwaltsrecht der Universität Hannover unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Wolf wissenschaftlich betreut und organisiert.