STAR 2022
Ergebnisse der Online-Befragung zur Erhebung der Lage und Entwicklung der deutschen Anwaltschaft durch das Statistische Berichtssystem für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (STAR).
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Mit Beginn Mai 2022 wurde eine weitere Erhebung von STAR durchgeführt. Zum ersten Mal lief die Befragung rein digital/online ab, um möglichst viele Berufsträgerinnen und Berufsträger zu erreichen.
Erstmals wurden Daten zum nicht-juristischen Personal in Rechtsanwaltskanzleien erhoben (siehe unter 3, S. 67 ff.), insbesondere auch zu unbesetzten Stellen, erhaltene freiwillige Leistungen, Weiterbildung, Arbeitszeitgestaltung, Einsatzgebiete, Qualifikationen und der Entwicklung des Personalbedarfs. Zudem wurde insgesamt nach der Nutzung und den Einsatzbereichen von Legal Tech gefragt (siehe unter 4, S. 166 ff.). Die Ergebnisse des STAR-Berichts 2022 erläutert und analysiert Sabine Vetter ausführlich in BRAK-Mitt. 2023, 2 ff.
Zugunsten einer besseren Lesbarkeit wird im Folgenden auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet, sofern es nicht explizit auf eine Unterscheidung zwischen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten ankommt. Der Bericht verwendet die männliche Bezeichnung, wobei sämtliche Bezeichnungen für beide Geschlechter gelten.
Im Einzelnen:
Unbesetzte Stellen, S. 69: 25,8 Prozent der Befragten gab an, dass es unbesetzte Stellen im Bereich des nicht-juristischen Personals in der Kanzlei/dem Unternehmen gibt - unabhängig ob im Osten oder Westen. In Sozietäten mit mehreren Sozien gaben sogar weit über 50 Prozent der Befragten an, dass es unbesetzte Stellen gibt. Gesucht werden in ReFa-/ReNo-Fachkräfte (75,6 Prozent), aber auch sonstige Büro- und Schreibkräfte (46,2 Prozent).
Jahresgehälter S. 80: Die durchschnittlich gezahlten Bruttojahresgehälter von in Vollzeit angestellten ReFa-/ReNo-Fachkräften liegen zwischen 26.000 und 35.000 Euro je nach Berufserfahrung. Im Westen wird durchschnittlich etwas besser gezahlt. Auch Sozietäten zahlen im Vergleich zu Einzelkanzleien im Durchschnitt mehr. Rechtsfachwirte verdienen ebenfalls besser, konkret zwischen 29.000 Euro und 41.000 Euro, variierend nach Berufserfahrung, Standort und Kanzleigröße. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass es individuell Gehalterhöhung gebe.
Erhaltene freiwillige Leistung S. 100: 86,4 Prozent der Befragten gaben an, dass freiwillige finanzielle Leistungen gezahlt werden. Weihnachtsgeld, Erstattung der Fortbildungskosten, Fahrkostenzuschüsse, vermögenswirksame Leistungen, Urlaubsgeld, betriebliche Altersvorsorge, Überstundenvergütung und Tankgutscheine wurden hier vermehrt genannt.
Weiterbildung, S. 109: 88,6 Prozent der Befragen gaben an, dass der Arbeitgeber Möglichkeiten zur Weiterbildung anbiete und diese auch weit überwiegend bezahlt werden.
Arbeits(zeit)gestaltung, S. 124: 58,5 Prozent können ihre Arbeitszeiten überwiegend flexibel (individuell, Gleitzeit) gestalten.
Einsatzgebiete, S. 134: Als Einsatzgebiete wurden Telefon (88,5), Schreibarbeiten (83,0), Kalenderführung (77,4), Kommunikation mit Mandanten (73,9), Fristenkontrolle (69,7), Rechnungslegung (62,3), Vorbereitung von Schriftsätzen (51,3) und Kanzleibuchhaltung (49,8) genannt. Den Bereich „Umgang mit digitalen Legal-Tech-Angeboten“ nannten 21,8 Prozent.
Qualifikation, S. 140: 58,9 Prozent sind der Meinung, dass der Arbeitgeber besonders qualifizierte Mitarbeiter benötigt.
Meinungsbild, S. 154: Entwicklung des Personalbedarfs: 28,5 Prozent denken, dass der Personalbedarf im Bereich des nicht-juristischen Personals eher größer wird. 50,7 Prozent sehen ihn gleichbleibend.
Fazit:
ReFa-/ReNo-Fachkräften, Rechtsfachwirte aber auch sonstige Schreibkräfte sind gesucht und unbesetzte Stellen gibt es viele. Das Gehalt variiert je nach Berufserfahrung, Standort und Kanzleigröße. Individuelle Gehaltserhöhungen sind möglich, insb. werden freiwillige Leistungen und Weiterbildungen gezahlt. Eine flexible Arbeitszeitgestaltung ist überwiegend möglich. Die Einsatzgebiete sind vielfältig und digitales Arbeiten wird wichtiger. Personalbedarf wird auch zukünftig gesehen.
Definition: Unter Legal Tech wird im Allgemeinen die digitale Automatisierung von juristischen Tätigkeiten verstanden. Legal Tech-Anwendungen können somit beispielsweise Aspekte der digitalen Buchführung im Rahmen von Kanzleisoftware abdecken, aber auch bei Spracherkennungssoftware (zum Diktat) oder digitalen Aktensystemen handelt es sich um Legal Tech. In einer fortgeschrittenen Form fallen auch Chatbots und automatisierte
Nutzung von Legal Tech Angeboten, S. 167: 50,9 Prozent geben an, dass Legal Tech Angebote von Mitarbeitern genutzt werden.
Einsatzbereiche, S. 171: dabei sind die Spracherkennungssoftware (71,7 %), digitale Mandatsbearbeitung (70,5 %), digitale Kanzlei-Organisation (64,1 %), digitale Vorlagesysteme (54,1 %). Bereits 37,5 Prozent haben eine digitale Buchführung ohne Papierakte, 28,2 Prozent nutzen Auslese und Auswertungssoftware und 20,9 Prozent arbeiten mit Vermittlungs- und Beratungsplattformen.
Meinungsbild, S. 182: zur Entwicklung des Bedarfs an nicht-juristischem Personals infolge des Einsatzes von Legal Tech: 32,6 Prozent glauben, dass weniger nicht-juristisches Personal benötigt werden wird. Die überwiegende Mehrheit (67,4 Prozent) gab allerdings an, dass nicht weniger Personal benötigt wird.
Fazit:
Legal-Tech ist auf dem Vormarsch. Das Arbeiten in einer Kanzlei wird insgesamt digitaler und die digitale Kanzlei nimmt langsam Form an durch den Einsatz von Spracherkennungssoftware, digitale Mandatsbearbeitung und digitale Kanzleiorganisation. Über die Hälfte der Kanzleien sind hier mittlerweile aufgestellt und arbeiten digital. Dennoch ist die überwiegende Mehrheit der Meinung, dass zukünftig nicht weniger juristisches Personal benötigt wird.
Den gesamten STAR-Bericht können Sie hier herunterladen (PDF, 2 MB, 183 Seiten). Der Bericht beinhaltet folgende Kapitel:
A. Erläuterungen und Definition: S. 1 ff.
B. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse: S. 11 ff.
C. Ergebnispräsentation: S. 37 ff.
1. Zusatzbefragung zu nicht-juristischen Mitarbeitern und Legal Tech; S. 39 ff.
2. Daten zur Sozialstruktur und Berufsausübung der deutschen Anwaltschaft: S. 47 ff.
3. Daten zu nicht-juristischem Personal: S. 67 ff.
3.1 Unbesetzte Stellen: S. 68 ff.
3.2 Jahresgehälter 80: ff.
3.3 Erhaltene freiwillige Leistungen: 100 ff.
3.4 Weiterbildung: S. 109 ff.
3.5 Arbeits(zeit)gestaltung: S. 124 ff.
3.6 Einsatzgebiete: S. 134 ff.
3.7 Qualifikationen: S. 140 ff.
3.8 Meinungsbild: Entwicklung des Personalbedarfs: S. 154 ff
4. Legal Tech: S. 166 ff.
4.1 Nutzung von Legal Tech-Angeboten durch das Personal: S. 167 ff.
4.2 Einsatzbereiche von Legal Tech-Anwendungen beim Personal: S. 171 ff.
4.3 Meinungsbild: Entwicklung des Bedarfs an nicht-juristischen Personals infolge des Einsatzes von Legal-Tech: S. 182 f.
Unbesetzte Stellen
Daten zu nicht-juristischem Personal
Weiterbildung
Angebotene Möglichkeiten zur Weiterbildung für das nicht-juristische Personal insgesamt sowie nach Bundesgebiet und Ortsgröße des Kanzlei-/ Unternehmenssitzes (in %)
Einsatzgebiete
Einsatzgebiete des nicht-juristischen Personals (Mehrfachnennungen möglich)
Nutzung von Legal Tech-Angeboten durch das Personal
Nutzung von Legal Tech-Angeboten durch das Personal insgesamt sowie nach Bundesgebiet und Ortsgröße des Kanzlei-/ Unternehmenssitzes (in %)
Unbesetzte Stellen
Anzahl der aktuell unbesetzten Stellen beim nicht-juristischen Personal nach Berufsgruppen sowie insgesamt (in %)
Arbeits(zeit)gestaltung
Möglichkeit der flexiblen Arbeitszeitgestaltung für das nicht-juristische Personal insgesamt sowie nach Bundesgebiet und Ortsgröße des Kanzlei-/ Unternehmenssitzes (in %)
Einsatzbereiche von Legal Tech-Anwendungen beim Personal
„In welchen Bereichen werden Legal Tech-Anwendungen genutzt?“ – (Syndikus-) Rechtsanwälte /-anwältinnen:
Erhaltene freiwillige Leistungen
Art der freiwilligen finanziellen Leistungen, die das nicht-juristische Personal erhält
Homeoffice
Möglichkeit zu Homeoffice für das nicht-juristische Personal insgesamt sowie nach Bundesgebiet und Ortsgröße des Kanzlei-/ Unternehmenssitzes (in %)
Entwicklung des Personalbedarfs
Meinungsbild zur Entwicklung des Personalbedarfs im Bereich des nicht-juristischen Personals insgesamt sowie nach Bundesgebiet und Ortsgröße (in %)